Jean-François Millet
Die Kirche von Gréville

Die Kirche von Gréville
Jean-François Millet (1814-1875)
Die Kirche von Gréville
Zwischen 1871 um 1874
Öl auf Leinwand
H. 60; B. 73,4 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

L'église de Gréville [Die Kirche von Gréville]


Millet suchte 1870/1971 mit seiner Familie in seiner Heimatregion vor dem französisch-preußischen Krieg Zuflucht. Während seiner Spaziergänge werden seine Kindheits- und Jugenderinnerungen wieder lebendig. Die kleine Kirche in Gréville, die er jeden Sonntag mit seinen Eltern besuchte, ist einer der symbolträchtigen Orte seiner Vergangenheit.
Er fertigt mehrere Zeichnungen vor dem Motiv an und nimmt die Leinwand mit nach Barbizon. Doch Millet stellt das Ergebnis nicht zufrieden, 1873 schildert er seine Eindrücke dem britischen Maler Henry Wallis: „Es ist mir nicht gelungen, die Szene so wiederzugeben, wie ich sie als Kind empfunden habe, doch ich gebe nicht auf”. Dieses Bild stellt zwar einen Bruch zur klassischen Landschaftsmalerei dar, doch angesichts der im Vergleich zu den Ausmaßen des Bauwerks winzigen Bauern und Schafe hat man den Eindruck, dass Millet hier das Bild seiner Kindheit schildern will.

Das Gemälde wird ab 1875 im Musée du Luxembourg ausgestellt, wo es die Künstler der jungen Generation, darunter Van Gogh, bewundern können. Kirche von Auvers-sur-Oise (Musée d'Orsay) erinnert an Millets Bild. Cézanne besaß eine Fotografie des Gemäldes.
Die Stärke des Bildes besteht zweifellos darin, dass es eine Art Goldenes Zeitalter suggeriert, das immer mehr in der Erinnerung verblasst. Die Kirche von Gréville ruft gemischte Gefühle hervor, einerseits der Fortbestand eines einfachen Denkmals, das mehrere Generationen überlebt hat, und andererseits die schmerzliche Melancholie, die den Menschen angesichts der Vergänglichkeit seines eigenen Schicksals erfasst. Die Abendsonne, die Vögel am Himmel und die beeindruckende Perspektive verleihen diesem Gemälde eine unbeschreibliche Tiefe.




Zeichensatz vergrössern Den Zeichensatz verkleinern Einem Freund schicken Drucken
Facebook
Google+DailymotionYouTubeTwitter