Pierre Bonnard
Die Schlafende

Die Schlafende
Pierre Bonnard (1867-1947)
Die Schlafende
1899
Öl auf Leinwand
H. 96; B. 106 cm
© ADAGP, Paris - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Thierry Le Mage

Femme assoupie sur un lit ou L'Indolente [Die Schlafende]


Die Schlafende, eine wahre Hymne an die Lust, besticht durch die Kontraste: allein der Titel steht in keiner Verbindung zur Position der jungen Frau. Die angespannten Muskeln – der linke Fuß ist gleichsam am rechten Oberschenkel festgehakt – widerlegen die Idee von Ruhe oder Trägheit. Das gleiche gilt für den schamhaft über die Brüste gelegten Arm und die weit gespreizten Beine. Den Aufbau durchziehen wellenförmige Linien, dargestellt durch die dunklen Schatten auf den Laken, die noch die Spuren der Körper tragen und durch das Durcheinander des Bettzeugs. Die erotische Ausstrahlung des Gemäldes wird durch eine Art bläulichen elektrischen „Rauch“ am Oberschenkel und am Knöchel sowie durch das auf dem Bett ausgebreitete prächtige braune Haar noch verstärkt.

Diese Frau, die sich den Blicken nach der Liebe darbietet, macht uns zu Zeugen ihrer stürmischen, leidenschaftlichen, düsteren Intimität, die ganz im Zeichen des „Fin-de-siècle“ steht. Das Gemälde besticht auch durch seine moderne Komposition, der Betrachter blickt von oben auf das riesige Bett, das sich ihm zuzuneigen scheint. Der von Schatten überlagerte Körper der Frau wirkt stimulierend und lebendig, er verleiht ihr eine starke, zeitlose Präsenz.

Dieses Werk ist insofern von Bedeutung, als es sich um eines der ersten Aktbilder des Künstlers handelt. Es steht in Verbindung zu zwei anderen Gemälden aus der gleichen Periode: Blauer Akt aus der Sammlung Kaganovitch und Der Mann und die Frau.

Nachdem der berühmte Kunsthändler und Verleger Ambroise Vollard das Bild gesehen hatte, bat er den Künstler, die Zeichnungen für den Band Parallel von Paul Verlaine anzufertigen, der 1900 erscheinen sollte.




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