Claude Monet
Einblick in eine Wohnung

Einblick in eine Wohnung
Claude Monet (1840-1926)
Einblick in eine Wohnung
1875
Öl auf Leinwand
H. 815; B. 60,5cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Un coin d'appartement [Einblick in eine Wohnung]


Nach seiner Rückkehr aus England lässt sich Monet von 1871 bis 1878 in Argenteuil, einer Gemeinde in der Nähe von Paris, nieder. Während dieser Periode stellt er häufig seine Gattin Camille in Begleitung ihres ältesten Sohnes Jean, der 1867 geboren wurde, dar. Hier sieht man ihn in dem zweiten Haus, das Monet in Argenteuil bewohnte. Bei der Figur im Halbschatten des Hintergrunds handelt es sich vermutlich um Camille.

Den Vordergrund bildet ein symmetrischer Dekor: Vorhänge mit farbigen Motiven, Grünpflanzen, Ziervasen, die auch auf anderen Gemälden Monets zu sehen sind. Man hat den Eindruck, ein Vorhang öffne sich vor einer Bühne. Der Blick des Betrachters wird in den Hintergrund des Raums bis zu der durch das Fenster erhellten Zone gelenkt. Der Gesamteindruck von Symmetrie und die perspektivische Darstellung werden durch die ährenförmig angeordneten Linien im Bildzentrum verstärkt. Allmählich kann man leicht rechts Jean ausmachen, den Leuchter und den Tisch in der Mitte, die sitzende Camille auf der linken Seite.
Die Silhouette des Kindes, das im Gegenlicht steht, spiegelt sich auf dem im Tageslicht erhellten Parkett wider. Wie der Kunstkritiker Gustave Geffroy 1894 schrieb, bringt dieses Interieur „insbesondere Luft und Licht zur Geltung“.

Diese intime, beschauliche Darstellung des Familienalltags in Argenteuil wurde in bläulichen Nuancen wiedergegeben. Durch diese Farbskala wirkt die Atmosphäre ruhig und voller Poesie. Sie erinnert an die Kindheit des kleinen Marcel Proust, die der Schriftsteller in seinem Buch Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (1913) schildert.




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