Angelo Morbelli
Festtag im Hospiz Trivulzio

Festtag im Hospiz Trivulzio in Mailand
Angelo Morbelli (1853-1919)
Festtag im Hospiz Trivulzio in Mailand
1892
Öl auf Leinwand
H. 78; B. 122 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / DR

Jour de fête à l'hospice Trivulzio à Milan [Festtag im Hospiz Trivulzio in Mailand]


Das Pio Albergo Trivulzio war ein Hospiz für Kranke und vor allem alte Menschen. Schon zu Beginn 1880 interessiert sich Morbelli für die Atmosphäre dieses Ortes. Er malt mehrmals diesen riesigen Saal aus verschiedenen Blickwinkeln und mit unterschiedlichen Lichteffekten. Doch jedes Mal zeigt er auf seinem Bild auch einige Greise, die er mit großer Genauigkeit darstellt.

Morbelli verwendet hier noch nicht die divisionistische Technik seiner späteren Gemälde. Die großen Fenster oder Lichtprojektionen auf der Wand sind in breiten Pinselstrichen gemalt. Festtag gehört zu den ersten Werken, für die der Künstler reine Farbtöne nebeneinander setzt. Durch den Auftrag in feinen parallelen Strichen wird die Tiefenwirkung der Tische verstärkt.
Die Haltungen der einzelnen Figuren verleihen dem Thema Einsamkeit und Alter symbolische und emotionale Bedeutung. Der eine ist eingenickt, ein anderer starrt mit gesenkten Augen ins Leere. Links sieht man im Bildausschnitt nur die Beine und Hände eines Mannes, der seinen Stock, Mantel und Hut vor sich abgelegt hat. Vermutlich handelt es sich um einen Besucher, der im Gegensatz zu den anderen drei Männern in Kürze den Raum verlassen wird.

Seit 1870 trifft man dieses gesellschaftliche Thema überall in Europa an. Man denke nur an die Illustrationen, die in England in Zeitungen wie London News illustrated oder The Graphic erschienen, oder Max Liebermann in Deutschland, Anton van Rappard in den Niederlanden oder Alfred Roll und Henri Gervex in Frankreich. In Italien behandelt Morbelli als einer der ersten dieses Thema.




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