Henri Fantin-Latour
Blumen und Früchte

Blumen und Früchte
Henri Fantin-Latour (1836-1904)
Blumen und Früchte
1865
Im Gewächshaus
H. 64; B. 57 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Fleurs et fruits [Blumen und Früchte]


Fantin-Latour führt parallel zu seiner Tätigkeit als Porträtist zahlreiche Stillleben aus. In den 1860er Jahren spielt diese Gattung sogar eine ganz wichtige Rolle in seiner Karriere. In England, wo sich Fantin-Latour regelmäßig aufhält, sind seine Blumen- und Obstarrangements sehr gefragt. Einen derartigen kommerziellen Erfolg - er verkauft viele Bilder und erhält neue Aufträge - hatte er mit seinem übrigen Werk bisher nicht erreicht.

Die Stillleben von Fantin-Latour, die sich durch ihre Poesie auszeichnen und die ein wenig altmodisch anmuten, bilden einen Kontrast zu den Impressionisten, denen der Künstler übrigens freundschaftlich zugetan ist. Die Wahl eines solchen Sujets ist jedoch nicht unbegründet. In der Hierarchie der Gattungen, die von der Académie des Beaux-arts im 17. Jahrhundert festgelegt wurde, nimmt das Stillleben mit Früchten oder Blumen den letzten Platz ein. Indem Fantin-Latour auf jeglichen literarischen, religiösen oder historischen Vorwand (der einem Werk eigentlich seinen Wert und seine Erhabenheit verleihen sollte) verzichtet, widersetzt er sich den akademischen Prinzipien. Dieses Gemälde, das nichts erzählt, scheint nur Augenweide und wird dadurch zu einem zweckfreien Werk der modernen Kunst.

Es bricht jedoch nicht vollständig mit der Tradition. Wie bei seinen Porträts beruft sich Fantin-Latour auch hier auf die Vergangenheit. Der Maler bekennt sich offen zum Erbe von Chardin, dem Meister der französischen Schule des 18. Jahrhunderts. Gemäß der klassischen Methode wird der Raum durch das Dreieck aus Blumenstrauß, Obstteller und Trauben gegliedert. Dazu kommt noch das schräg am Tischrand liegende Messer, das zur Verstärkung der räumlichen Tiefe eingesetzt wird.
Durch das helle, zarte Licht kommen die Volumina und kräftigen Farben der Blumen und Früchte stärker zum Tragen. Die verschiedenen Blumenarten zeichnen sich durch einen dicken Pinselstrich und die Trauben durch einen leichten, durchsichtigen Farbauftrag aus. Dieses Gemälde ist ein beredtes Beispiel für Fantin-Latour meditatives, persönliches Universum, in dem Ruhe, kräftige Farbtöne und Farben meisterhaft miteinander harmonieren.




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