Jean-Léon Gérôme
Jerusalem

Jerusalem oder Golgotha, Consumatum est; Die Kreuzigung
Jerusalem oder Golgotha, Consumatum est; Die Kreuzigung
1867
Öl auf Leinwand
H. 82; B. 144,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Jérusalem oder Golgotha, Consumatum est; La Crucifixion [Jerusalem oder Golgotha, Consumatum est; Die Kreuzigung]


Nachdem er zur Genüge und mit großem Erfolg das exotische und sinnliche Repertoire des Orients genutzt hatte, kehrte Gérôme 1867 wieder zu seiner ursprünglichen Motivation, der Historienmalerei, zurück. Die Bilder des Malers sind voller Überzeugungskraft, da er sich bei der Realisierung seiner Gemälde auf die im Laufe seiner zahlreichen Orientreisen, insbesondere ins Heilige Land, erworbenen archäologischen und topografischen Kenntnisse berief. Bei diesem Bild verbindet er die Geschichte mit einer naturalistischen Vision Christi, die Ernest Renan in seinem Leben Jesu, das 1863 erschienen war, entwickelt hatte und die die religiöse Darstellung in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts zutiefst geprägt hatte. Das Anliegen Gérômes ist allerdings nicht nur geschichtsgetreue Nachbildung. Es geht ihm auch darum, die religiöse Kunstgattung durch eine neuartige Malerei zu neuem Leben zu erwecken, um die Aussagekraft des Evangeliums in voller Stärke zur Geltung zu bringen. Die Landschaft wird zwar wie in der klassischen Tradition üblich zu dramatischen Zwecken eingesetzt, doch auffallend ist hier vor allem der Bildaufbau, die audiovisuelle Technik des Hors Champ findet hier lange vor dem Kino Verwendung. Die visuelle Auslassung der Schatten der drei Kreuze, die durch das Licht des Gewitterhimmels hervorgerufen werden, markiert einen derartigen Bruch mit der herkömmlichen ikonografischen Darstellungsweise dieses Themas, dass dieses Gemälde Gérôme die heftigsten Kritiken überhaupt einbrachte.




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