William Bouguereau
Gleichheit vor dem Tod

Gleichheit vor dem Tod
William Bouguereau (1825-1905)
Gleichheit vor dem Tod
1848
Öl auf Leinwand
H. 141; B. 269 cm
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt

Egalité devant la mort [Gleichheit vor dem Tod]


Gleichheit ist das erste groβe Gemälde des dreiundzwanzigjährigen Bougereau, der erst zwei Jahre vorher sein Studium an der Ecole des Beaux-Arts von Paris begonnen hat. Angesichts des Widerstands seiner Familie setzt der Künstler alles daran, erfolgreich zu werden. Der Kritiker Léon Plée schreibt später, er hat es „eilig, bekannt zu werden

Anlässlich seiner ersten Teilnahme am Salon präsentiert Bouguereau dieses monumentale, aufsehenerregende Gemälde: Ein Todesengel bedeckt den nackten Leichnam eines Jünglings mit einem Leichentuch. Durch die Thematisierung des unabwendbaren Todes fühlt sich der Betrachter berührt. Diese düstere Darstellung gleicht einer Warnung, dafür spricht auch folgende Anmerkung auf einer Vorstudie: „Gleichheit. Wenn der Todesengel sein Leichentuch über euch breiten wird, wozu wird euch das Leben gedient haben, wenn ihr nichts Gutes auf Erden getan habt”. Doch die Gleichheit, von der hier die Rede ist, ist nicht jene, nach der die Liberalen in Europa im Jahr 1848 streben. Bouguereau Vorstellung von Gleichheit ist konservativ und zutiefst religiös. Für ihn handelt es sich nicht um eine politische oder soziale Zielsetzung, sondern um einen Zustand, der nur im Jenseits erreicht werden kann. Dieses Gemälde spiegelt Bouguereau Beunruhigung angesichts der politischen Entwicklungen seiner Zeit und seine Zweifel bezüglich seiner Zukunft wider. 

Das Gemälde, das sich durch seine nüchterne Darstellung und seinen friesartigen Aufbau auszeichnet, erinnert an den Purismus des englischen Neoklassizisten John Flaxman (1755-1826). Die düstere Dramatik steht auch mit den Romantikern in Verbindung. Man denkt unweigerlich an Pierre-Paul Prud'hons (1758-1823) berühmtes Gemälde Gerechtigkeit und Rache verfolgen das Verbrechen (1808, Paris, Musée du Louvre) und an Henri Lehmanns (1814-1882) Werk Jeremias diktiert seine Prophezeiungen (1842, Angers, Musée des Beaux-Arts), auf denen ein vergleichbarer Engel zu sehen ist.




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