Giovanni Boldini
Graf Robert de Montesquiou

Le comte Robert de Montesquiou
Giovanni Boldini (1842-1931)
Le comte Robert de Montesquiou
1897
Öl auf Leinwand
H. 116; B. 82,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Le comte Robert de Montesquiou [Graf Robert de Montesquiou]


1897 erhält Boldini über Frau Veil-Picard, eine gemeinsame Freundin, den Auftrag, Graf Robert de Montesquiou zu porträtieren. Den Maler fasziniert die Persönlichkeit des Literaten, der den Inbegriff des Dandy's im Sinne Baudelaires darstellt und das ästhetische Empfinden der damaligen Epoche prägt.

Das Werk spiegelt sowohl die komplexe Beziehung zwischen Maler und Modell als auch die Theorien zum „modernen Porträt”, die Montesquiou in einem Artikel über Boldini darlegt, wider („Die Maler der Frau, Boldini” ,  Les Modes, Januar 1901). Er schreibt darin, die Kunst des Porträts liege nicht in der fotografischen Wahrheit sondern in der auf Leinwand gebrachten Mischung der Identität des Malers und der des Modells. Boldini wäre folglich ein moderner Porträtmaler par excellence, da seine Gemälde die psychologischen Eigenschaften des Modells und sein persönliches Urteil enthüllen.

Auf diesem Bild stellt der Künstler nicht nur die aristokratische Eleganz, die Lässigkeit und das Raffinement Montesquious zur Schau. Der Stock wirkt wie ein Zepter, wandelt sich in ein königliches Attribut. Boldini scheint den ersten Vers eines der Gedichte des Bandes Chauves souris von Montesquiou zu illustrieren: „Ich bin Herrscher über die vergänglichen Dinge”. Boldinis Porträt ist zugleich der Porträttradition des 16. und 17. Jahrhunderts als auch der der Moderne verpflichtet. Dies mag eine leicht ironische Anspielung auf Montesquious übertriebenen Ästhetizismus sein. Zahlreiche zeitgenössische Kritiker legten dieses Porträt in diesem Sinne aus.




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