Emile Bernard
Ernte am Meeresufer

Ernte am Meeresufer
Emile Bernard (1868-1941)
Ernte am Meeresufer
1891
Öl auf Leinwand
H. 70; B. 92 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Ernte am Meeresufer


Zwischen 1886 und 1893 verbringt Emile Bernard seine Ferien regelmäßig mit seiner Familie in Saint-Briac, einem kleinen bretonischen Dorf, das zwischen der Bucht des Mont-Saint-Michel und der von Saint-Brieuc liegt. 1886 trifft er dort zum ersten Mal Gauguin, doch erst 1888 werden sich die beiden Künstler in Pont-Aven einfinden, wo sie gemeinsam an einer radikalen Vereinfachung der Formen arbeiten, sich von der traditionellen Perspektive abwenden und eine Technik entwickeln, die aus durch Konturen abgegrenzten Farbflächen besteht, die an die Unterteilung der Glasmalerei erinnert.

Während seiner Aufenthalte in der Bretagne beschäftigt sich Bernard mit der Arbeit der Bauern wie beispielsweise hier die der Mäher, die schon Millet verewigt hatte. Die Landschaften, Heuhaufen, Häuser und Menschen werden nur grob, bar jeglicher Details behandelt. Das Bild wird einzig durch die Farbflächen gegliedert. Die anmutigen Gesten und die reizvolle Landschaft scheinen eine Illustration für die Beschreibung der Bretagne des englischen Schriftstellers Henry Blackburn, die 1892 in Artistic Travels erschien: „Nirgendwo in Frankreich gibt es schönere Bauern; nirgendwo werden die Feldarbeiten mit mehr Würde ausgeführt als hier, nirgendwo sind die Züge der Männer und Frauen, die ihren Weizen, Roggen, Hafer und Buchweizen ernten, edler. Hier werden wir sogleich an die Pastoralen von Jules Breton, Millet, Troyon und Rosa Bonheur erinnert”.

Im Frühling 1891 kam es zum Bruch zwischen Emile Bernard und Gauguin, Er warf ihm vor, den Verdienst ihrer gemeinsamen Recherchen für sich in Anspruch zu nehmen. Er schließt sich Cézanne an, was anhand dieser mächtigen geometrischen Leinwand, die sich, wie der Kritiker anlässlich des Salon des Indépendants 1892 schreibt, „durch seine raue Menschlichkeit” auszeichnet.




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