Fernand Cormon
Kain

Kain
Fernand Cormon (1845-1924)
Kain
1880
Öl auf Leinwand
H. 400; B. 700 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Caïn [Kain]


Das Gemälde illustriert das traurige Schicksal Kains, des älteren Sohns von Adam und Eva, der nach dem Mord an seinem kleinen Bruder Abel zu ewiger Flucht verdammt ist. Der verstörte Kain führt mühsam seinen Stamm. Seine Söhne tragen eine Holzbahre mit einer verstörten Frau und ihren schlafenden Kindern. Sie transportieren blutige Fleischstücke. Andere Männer, Jäger, begleiten sie. Einer von ihnen trägt eine junge Frau in den Armen, den Abschluss bilden mehrere Hunde. Auf den Gesichtern ist die Furcht vor der Strafe Jehovas zu lesen.

Durch die langen Schatten entsteht der Eindruck, das Licht der Wahrheit verfolge die Schuldigen durch die kahle Ebene. Der Maler verwendet erdige Farbtöne, sein Pinselstrich ist kraftvoll und dick wie der von Courbet. Der Künstler legt Wert auf genaue anatomische Details: für jede Figur dient ihm ein lebendiges Modell als Vorlage.

Das Werk stellt nicht nur einen Auszug aus der biblischen Geschichte dar, es ist auch ein überwältigendes Epos, eine anthropologische Rekonstruierung. Es führt einen unveröffentlichten Bereich in die Malerei ein: die Frühgeschichte, in einer Zeit, als man schon die paläolithischen Felszeichnungen entdeckt hatte. In Ermangelung von Unterlagen stellt Corman Spekulationen über das damalige Leben an, die Existenz von barfüßigen, zerzausten, Barbaren mit runzeliger Haut. Als Untertitel werden die ersten Verse von Das Gewissen aus Legende der Jahrhunderte (1859) von Victor Hugo zitiert:
„Als Kain mit seinen in Felle gekleideten Kindern
zerzaust, aschfahl inmitten der Unwetter
vor Jehova geflohen war
Traf mit Einbruch der Nacht der düstere Mann ein…“




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