Jean-Jacques Henner
Die keusche Susanne

Die keusche Susanne
Jean-Jacques Henner (1829-1905)
Die keusche Susanne
1864
Öl auf Leinwand
H. 185; B. 130 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

La chaste Suzanne [Die keusche Susanne]


Das biblische Thema der badenden Susanne ist seit der Renaissance häufig behandelt worden und bietet dem Maler Gelegenheit, ein schönes Aktgemälde zu erstellen. Dieser Wille bestätigt sich bei Henner, der in seinem letzten Jahr als Pensionär der Villa Medicis dieses Bild vorlegt. Für diese Übung, die die Lernfortschritte des Schülers und das Beherrschen einer Ausführung zeigen soll, orientiert sich der Maler selbstverständlich an berühmten Beispielen, die die großen Meister in der ewigen Stadt hinterlassen haben. Die Aktstudie Badende Susanne von Guercino (Galerie Colonna) und Heilige Liebe und profane Liebe von Tizian konstituieren die Inspirationsquellen dieser Komposition.

Die Kritiker sind oft sehr streng mit diesem Gemälde ins Gericht gegangen und tadelten seine Schwere und die fehlende Würde im Ausdruck des Modells. Darüber hinaus wurde der künstliche Aspekt der Thematik des Gemäldes kritisiert, das, unter dem Deckmantel der Historienmalerei nur eine einfache badende Frau zeigt. Den zeitgenössischen Malern, allen voran Courbet, ging es eher darum, die Aktdarstellung von sämtlichen historischen Vorwänden zu befreien und sie als Ziel an sich zu behandeln.
Aller Kritik zum Trotz bleibt seine Susanne jedoch eine lebendig modellierte junge Frau, deren kräftige Statur durch die Drapierungen hervorgehoben wird. In gewisser Weise ein Auftakt für eine lange Serie weiblicher Figuren von perlmuttfarbener Haut, die bei Abenddämmerung dargestellt werden; ein Motiv das Henner unermüdlich zu erneuern sucht.




Zeichensatz vergrössern Den Zeichensatz verkleinern Einem Freund schicken Drucken
Facebook
Google+DailymotionYouTubeTwitter