Edgar Degas
Tanzunterricht

Tanzunterricht
Edgar Degas (1834-1917)
Tanzunterricht
Zwischen 1871 und 1874
Öl auf Leinwand
H. 85; B. 75 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

La Classe de danse [Tanzunterricht]


Degas besuchte mit großer Begeisterung die Opéra de Paris. Sein Interesse galt nicht nur den Vorführungen sondern auch den Kulissen, dem Tanzsaal, in den er dank eines Freundes aus dem Orchester Zutritt hatte. Damals befand sich das Opernhaus noch in der Rue Le Peletier, Garnier sollte das neue Opernhaus erst kurz darauf entwerfen. Von 1870 bis zu seinem Tod stellte Degas unermüdlich die Ballerinen beim Üben, Proben oder Ausruhen in allen möglichen Haltungen und Gesten dar.
Ihn interessiert insbesondere das Training, die Vorbereitung auf Bühne und Rampenlicht. Hier geht die Übungsstunde gerade zu Ende: die Schülerinnen sind erschöpft, sie strecken sich, verrenken sich, um sich den Rücken zu kratzen, richten ihre Frisur oder Kleidung, einen Ohrring, ein Band und schenken dem unerbittlichen Lehrer Jules Perrot, ein wahrer Balletmeister, wenig Aufmerksamkeit.

Degas hat sorgfältig die spontanen, natürlichen und unwichtigsten Gesten beobachtet, die Augenblicke der Rast, wenn die Konzentration nachlässt und der Körper sich nach den anstrengenden, harten Übungen entspannt.

Durch die leichte Draufsicht in Richtung Diagonale des Raums kommt die sich verjüngende Perspektive der Dielen verstärkt zur Geltung. Paul Valéry schrieb: „ Degas ist einer der wenigen Maler, die dem Fußboden Bedeutung beimessen. Er hat ganz prächtige Böden geschaffen.“ Das ist umso angebrachter, da das Parkett, das nass gespritzt wird, damit sie nicht ausrutschen, das wichtigste Arbeitsinstrument der Tänzerinnen ist. Und der Lehrmeister schlägt mit seinem Stock unauflässlich den Takt auf das Parkett.




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