Camille Pissarro
Das Haus des Wahnsinns in Eragny

Das Haus des Wahnsinns in Eragny
Camille Pissarro (1830-1903)
Das Haus des Wahnsinns in Eragny
1885
Öl auf Leinwand
H. 73 cm; B. 60,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Gérard Blot

La maison de la Folie à Eragny [Das Haus des Wahnsinns in Eragny]


In den finanziell schwierigen Jahren zwischen 1880 und 1885 lässt Pissarros Malerei eine deutliche Entwicklung erkennen, die sowohl die Erkenntnisse der Pontoise-Gruppe (Cézanne, Gauguin, Guillaumin) als auch seine persönlichen Recherchen zur Lichtwirkung widerspiegelt.
1882 zieht Pissarro von Pontoise nach Osny, bevor er sich 1884 in Eragny-sur-Epte niederlässt. Er wohnt bis zu seinem Lebensende in einem Haus, das er 1892 gekauft hatte. Das Haus des Wahnsinns entstand kurz nach seiner Ankunft in Eragny.
Wie Das Haus des Gehängten von Cézanne (1873, Musée d'Orsay) entspricht der Titel dem überlieferten Ortsnamen, wodurch zum Ausdruck kommt, wie eng das Werk mit der Erinnerung und der Gegend verknüpft ist. Kennzeichnend für die Gemälde dieser Periode ist die fehlende Perspektive. Gauguin beschäftigte sich 1885 eingehend mit diesem Bildaufbau, wo die einzelnen Flächen mehr ineinander übergehen als den Raum vertiefen. Dadurch entsteht eine unerklärliche Erstarrung, eine vollkommene Stille. Die Linienführung des Zauns im Vordergrund mutet japanisch an und nimmt auch einige Gemälde von Gauguin und Cézanne vorweg.
Die dichte Komposition überrascht, sie besticht durch ihre flimmernde Leuchtkraft. Ihre hellen Farben vibrieren, das Gemälde hat nichts mit den melancholischen Werken seiner vorhergehenden Periode gemein. Die Palette aus Hellgrün, Säuregelb, Orange und Blasslila kündet Pissarros Beitritt der Gruppe der Neoimpressionisten im folgenden Jahr an, der schon Seurat und Signac angehörten.




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