Karel Vitezslav Masek
Die Prophetin Libuse

Die Prophetin Libuse
Karel Vitezslav Masek (1865-1927)
Die Prophetin Libuse
Um 1893
Öl auf Leinwand
H. 193; B. 193 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

La prophétesse Libuse [Die Prophetin Libuse]


Libuse ist eine Fürstin der tschechischen Mythologie. Sie wird auf Grund ihrer Weisheit und ihrer Sehergabe verehrt. Sie soll die erste nationale Dynastie und die Stadt Prag gegründet haben. Von 700 bis 738 soll Libuse über Böhmen geherrscht haben und seine Spaltung verhindert haben.
Masek stellt sie in hieratischer Haltung dar. Ihre Erscheinung im Mondlicht wirkt gespenstisch. Im Hintergrund schlängelt sich ein Fluss durch die nächtliche Ebene. Es handelt sich zweifellos um eine Ansicht der Moldau von einer Anhöhe der Stadt Prag aus.
Libuse trägt ein weites Gewand, ein Priestergewand, das ihrer Stellung als Seherin entspricht. Auf einem vertikalen Band sind die Mondphasen abgebildet. Ihr mit einer Mondsichel und einem Rind verzierte Halskette verweist auf die ägyptische Symbolik von Hathor. Mit ihrem ausgestreckten linken Arm präsentiert sie den Zweig einer Linde, den heiligen Baum der Slawen.

Die Blautöne erinnern an die Gemälde mancher zeitgenössischer französischer Symbolisten wie Alphonse Osbert, während manche ikonografische Details wie die Kopfbedeckung von Libuse den Einfluss ihres Landesgenossens Alfons Mucha erkennen lassen. Masek verzichtet hier auf seine sonst übliche akademische Technik und übernimmt die in Europa verbreiteten neoimpressionistischen Prinzipien von Seurat und seinen Freunden.

Dieses großformatige Gemälde ist zweifellos Maseks Meisterwerk. Es entstand zu einer Zeit, als Böhmen noch zum österreich-ungarischen Reich gehörte, doch die nationalistische Bewegung, die sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte, schon ihren Einfluss geltend machte.




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