Jean Auguste Dominique Ingres
Die Quelle

Die Quelle
Jean Auguste Dominique Ingres (1780-1867)
Die Quelle
1820-1856
Öl auf Leinwand
H. 163 ; B. 80 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Thierry Le Mage

La source [Die Quelle]


Zu dem 1856 fertiggestellten Gemälde wurde bereits 1820 eine Vorstudie angelegt. Dabei wird Ingres, wie es für die Erstellung von Großformaten üblich war, von zweien seiner Schüler unterstützt. Sehr auffällig ist der Einfluss bildhauerischer Ausdrucksmittel in Bezug auf die Gestaltung der Nymphe. In diesem senkrechten Format sieht der Ganzkörperakt aus, als sei er in einer Nische eingebettet. In Verbindung mit der Haltung des Modells verleiht dies der Quelle eine marmorne Starre. Diese Ähnlichkeit ist nicht weiter verwunderlich, bedenkt man die Bedeutung der antiken Bildhauerei für die neoklassizistische Strömung, für die Ingres als der wichtigste Vertreter gilt.

Die Kunstkritiker der Epoche beschäftigt ebenfalls die Frage nach dem Verhältnis von idealer Schönheit und realistischer Darstellung im Streben der Maler. Die Körperumrisse werden weniger glänzend, samtener, so, als ob die Beschaffenheit der Haut versinnlicht werden sollte. Bleibt Ingres in Bezug auf Linienführung und Zeichnung der klassischen Lehre Davids treu, so geht er doch über diesen Rahmen hinaus und durch seinen innovativen Stil legt er den Grundstein für neue künstlerische Entwicklungen, die Künstler wie Degas oder Picasso fortsetzen werden. Der langgestreckte Körper erlaubt das Spiel serpentinenartiger Linien, die Formgebung wird mit außerordentlich vereinfachten Mitteln betrieben und die fehlende Tiefe verstärkt die Präsenz der Silhouette.

Bei seinem ersten Besitzer, Graf Duchâtel, war das Gemälde von „großen Pflanzen und Wassergewächsen umgeben, so dass die Nymphe der Quelle noch mehr einer wahren Person glich“. Théophile Gautier beschreibt die Synthese zwischen Realismus und Idealismus folgendermaßen: „Niemals zeigte sich keusche Nacktheit so weich, so jung, so lichtdurchdrungen, so voller Leben dem Betrachter. Das Ideal ist hier zur Illusion geworden.“




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