Pierre Bonnard
Frau im Bad

Frau im Bad
Pierre Bonnard (1867-1947)
Frau im Bad
um 1908
Öl auf Leinwand
H. 119; B. 79 cm
© ADAGP, Paris - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / DR

La Toilette [Frau im Bad]


Im 20. Jahrhundert wird das Motiv der Frau bei der Toilette gern als Vorwand für Aktbilder verwendet. Bonnard wählt wie vor ihm Degas für seine Pastellbilder einen komplizierten Aufbau, um seine moderne Suzanne, die durch Marthe, seine Lebensgefährtin und einziges Modell, verkörpert wird, bei der Toilette in Szene zu setzen. Hier ist sie dank des Spiegels gleichzeitig von hinten und von vorn zu sehen. Mittels dieses Accessoires gelingt es dem Maler, mit dem Bildausschnitt des Körpers zu spielen, indem er ihn als Dreiviertelfigur behandelt und durch den Spiegel vertikal in der Mitte durchschneidet.

Durch die zahlreichen farbigen Flächen geht jegliche räumliche Orientierung verloren: mit Tapeten verkleidete Wände, Türen, Öffnungen. Der Blick des Betrachters wird folglich von einem engen, in sich abgeschlossenen Universum in Bann geschlagen, dessen Grenzen durch Spiegeleffekte und bewegliche Wände, in deren Zentrum sich die unverhüllte Frau befindet, verschoben werden.

Aufgrund der bedeutenden Rolle, die der Dekor und die verstümmelten oder verformten Gegenstände wie das kleine Tischchen mit dem Wasserkrug spielen, gehört dieses Gemälde zu den dekorativ-abstrakten Bildern, die jene Schaffensperiode Bonnards charakterisieren. Der Künstler lebt fast das ganze Jahr in seinem Haus in Cannet an der Côte d’Azur lebt und versucht, in seinen Gemälden das mediterrane Licht wiederzugeben und zwar durch perlmuttfarbene Farbflecken, die die Konturen der Gegenstände verwischen. Der lichtdurchflutete Akt, hat nichts mit dem Realismus einer Fotografie gemein, er besticht durch seine Schönheit, Sinnlichkeit und Vollkommenheit.

Das Gemälde entstand in einer Zeit der Zweifel und Infragestellung und wurde vom Maler zwischen 1914 und 1921 überarbeitet: Nach dem Enthusiasmus für den Kubismus in Paris möchte Bonnard zu den Grundlagen der Malerei zurückkehren und sich auf die Linien, Volumina, Komposition, Gleichgewicht der Formen konzentrieren, ohne dabei die emotionale Dimension der Farbe aus den Augen zu verlieren.




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