Stanislas Lépine
Landschaft

Landschaft
Stanislas Lépine (1835-1892)
Landschaft
1869
Öl auf Leinwand
H. 30; B. 58,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / René-Gabriel Ojéda

Paysage [Landschaft]


Die tiefe Horizontlinie dieser Landschaft lässt darauf schließen, dass Lépine sein Gemälde direkt am Wasser flussabwärts malte. Er folgt dem Beispiel Daubignys, der sich 1857 ein Boot als Atelier einrichten lässt, um seine Zeichnungen direkt in der Natur unter verschiedenen Perspektiven auszuführen. Durch diesen Standpunkt erfährt die Raumaufteilung des Bildes eine grundlegende Veränderung, da dadurch der Fluchtpunkt wesentlich herabgesetzt wird.

Lépines Bildgestaltung zeichnet sich durch seine vorbildliche Strenge und Einfachheit aus. Der Vordergrund ist dem Wasser gewidmet, der obere Teil dem Himmel. Zu beiden Seiten verlaufen die Ufer und ihre Spiegelung im Wasser diagonal zum Mittelpunkt am Horizont.
Um diese strenge Geometrie aufzulockern, hört der linke, dunklere Teil vor dem eigentlichen Mittelpunkt auf. Das andere, hellere und abwechslungsreicher gestaltete Ufer wird von der Abendsonne erleuchtet. Durch die Boote auf dem Wasser wird der Raum unterteilt und die Perspektive, das grundlegende Gesetz, auf dem seit der Renaissance jede Landschaft aufbaut, verstärkt zur Geltung gebracht.
Die Linienführung des Bildes steht zwar im Einklang mit der Tradition, doch die Farben und der Farbauftrag weichen von den klassischen Vorbildern ab. Das Licht vereinheitlicht hier nicht die Flächen, sondern isoliert einzelne Einheiten, die sich durch ihre eigene Farbe und ihren eigenen Farbton auszeichnen. Auf dem Wellengekräusel im Vordergrund kann man verschiedene Blauschattierungen sowie Grün- oder Brauntöne ausmachen. Der mit der Spitze aufgetragene Pinselstrich führt die Vergänglichkeit des Augenblicks vor Augen.
Die zukünftigen Impressionisten werden sich auf dieses Gemälde berufen und einige Jahre später diesen noch zögernden Ansatz in eine völlig neuartige Richtung weiterführen.




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