Ferdinand Hodler
Der Holzfäller

Der Holzfäller
Ferdinand Hodler (1853-1918)
Der Holzfäller
1910
Öl auf Leinwand
H. 130; B. 101 cm
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt

Der Holzfäller


Im April 1908 beauftragt die Schweizer Nationalbank Ferdinand Hodler mit der Illustration der neuen 50- und 100-Frankenscheinen. Das Motiv sollte in Bezug zur Landarbeit stehen. Für die 50-Frankenscheine entscheidet sich der Künstler für das Motiv des Holzfällers. Bei Ausgabe der Scheine stellt Hodler zu seinem Bedauern fest, dass der verkleinerte Maßstab die Ausdruckkraft der Figur abschwächt. Außerdem verfälschen realistische Verzierungen die gespenstische Landschaft des Bildes, die mit der expressionistisch anmutenden Figur harmoniert.

Glücklicherweise endet die Geschichte des Holzfällers nicht mit dieser enttäuschenden Reproduktion. 1910 stellt Hodler eine überlebensgroße Version des Werks aus. Der Erfolg lässt nicht auf sich warten, man gibt sogleich Repliken bei ihm in Auftrag. Das Exemplar im Musée d’Orsay besticht durch seine erstaunliche Stärke und die Perfektion der Zeichnung, die dem Gemälde eine außerordentliche Ausdruckkraft verleiht.

Das Bild ruht auf dem Kontrapunkt zwischen den Vertikalen der Baumstämme und der Diagonalen des Körpers. Die kraftvolle Bewegung des Holzfällers wird erfasst und die Anspannung des Augenblicks festgehalten. Nur Millet gelang es ebenso meisterhaft, die Geste eines Bauern bei der Arbeit auf der Leinwand zu verewigen und der Figur eine heroische Dimension zu verleihen. Durch den weißlichen Hintergrund und den niedrigen Horizont wirkt die Figur des Holzfällers fast übermenschlich. Er hebt sich deutlich vom Himmel ab, der durch den ovalen, graublauen Fleck einer sonderbar anmutenden Wolke noch mehr Tiefe erhält. Diese ungewöhnliche Figur von Hodler, die zwischen Symbolismus und Expressionismus anzusiedeln ist, ist charakteristisch für die letzte Schaffensphase des Künstlers.




Zeichensatz vergrössern Den Zeichensatz verkleinern Einem Freund schicken Drucken
Facebook
Google+DailymotionYouTubeTwitter