Gustave Courbet
Der schwarze Bach

Der schwarze Bach
Gustave Courbet (1819-1877)
Der schwarze Bach
1865
Öl auf Leinwand
H. 94; B. 135 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Le ruisseau noir [Der schwarze Bach]


In der Nahe von Ornans fließt gemächlich in einer engen, üppig bewachsenen, dunklen Schlucht der Bach Brème. Zu diesem Ort namens Der Schwarze Schacht fühlt sich Courbet ganz besonders hingezogen. Auf der Weltausstellung 1855 bringt ihm Der Bach des Puits-Noir, Loue-Tal (Washington D.C., National Gallery of Art) seinen ersten wirklichen Erfolg als Landschaftsmaler. Zwischen 1860 und 1865 führt der Maler zahlreiche Variationen aus, darunter auch dieser Schwarze Bach, den der Oberintendant der Schönen Künste für die Privatsammlung Napoleons III. erwarb.

Die Darstellungen des Puits-Noir finden so großen Anklang, weil sie das Gefühl vermitteln, in eine Oase des Friedens einzudringen. Die enge Felsschlucht mutet wie eine unberührter „Urwald” an. Durch die Abwesenheit jeglichen Lebewesens kommt die geheimnisvolle Atmosphäre verstärkt zum Tragen. Diese Ansichten entbehren zwar jeglichen narrativen oder pittoresken Elements, doch eine gewisse Sehnsucht ist deutlich spürbar. Courbet fügt seiner Darstellung der Natur als Zufluchtsort, die auch ein beliebtes Motiv der Maler von Barbizon war, eine persönliche Dimension hinzu. Denn der Provokateur der Salons ist auch ein leidenschaftlicher Spaziergänger, der sich im Schutze der Wälder seiner Kindheit verbirgt. Der Puits-Noir stellt einen absoluten Kontrapunkt zu den unendlichen Horizonten seiner Meereslandschaften dar und drückt die Vorliebe des Malers für düstere, geschlossene Orte aus, die sich für den inneren Rückzug eignen. Dieser Eindruck wird übrigens durch einen Brief bestätigt, den Courbet 1866 an seinen Mäzen Alfred Bruvas schreibt. Er bezeichnet darin die Fassung des Schwarzen Baches, die er gerade vollendet, als „herrliche, zutiefst einsame Landschaft in den Tälern meiner Heimat”.

Courbet-Dossier




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