Fernand Khnopff
Weihrauch

Weihrauch [L'encens]
Fernand Khnopff (1858-1921)
Weihrauch [L'encens]
1898
Öl auf Leinwand
H. 86; B. 50 cm
© RMN-Grand Palais (Musée) d'Orsay) / Hervé Lewandowski


Weihrauch

Weihrauch


Wie so oft wählte Khnopff hier seine Schwester Marguerite als Modell. Er stellt sie in der Mitte seines Bildes in Nahansicht dar. Es sind nur ihr Gesicht, auf dem sich ein geheimnisvolles Lächeln abzeichnet, und ihre behandschuhten Hände zu sehen. Den Rest des Körpers verhüllen prächtige Gewänder und den gesamten unteren Bildausschnitt nehmen die Draperien eines kostbaren, schweren Pluviales aus Brokat ein. Der Stoff und das, was er vor dem Auge des Betrachters verbirgt, wird zum Hauptmotiv des Gemäldes.

Auf früheren Gemälden trägt Marguerite ein langes, weißes Baumwollkleid und einen blauen Schal um den Kopf oder ein dunkles Seidenkleid... Nie zuvor jedoch hatte Khnopff den Körper seiner Schwester derartig verhüllt. Auf der bestickten Seide, die fast die Hälfte des Gemäldes einnimmt, kann man mehrmals eine stilisierte Distel erkennen. Tut es der Maler der Distel gleich und umgibt sein Modell mit einer schützenden Hülle? Das Werk wirkt dadurch auf jeden Fall noch rätselhafter. Auch die begrenzte Palette trägt zu dem befremdlich anmutenden Gesamteindruck bei: verschiedene Brauntöne, der Kontrast zwischen den vielfältigen Details im Vordergrund und den aufgelösten, zerfließenden Formen im Hintergrund. Der ursprüngliche Holzrahmen, der nach einer Zeichnung des Künstlers angefertigt wurde, ist bis heute erhalten geblieben. In der Inschrift „DEO DIE“ oben auf dem Rahmen klingen andere Christusreferenzen des Bildes wie beispielsweise der Heiligenschein hinter Marguerite an. Dank der esoterischen Dimension des Gemäldes zählt Weihrauch zu den bedeutendsten Meisterwerken des europäischen Symbolismus.




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