Edouard Manet
Rocheforts Flucht

Rocheforts Flucht
Edouard Manet (1832-1884)
Rocheforts Flucht
Um 1881
Öl auf Leinwand
H. 80; B. 73 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

L'Evasion de Rochefort [Rocheforts Flucht]


Bei diesem Gemälde handelt es sich um das kleinere der beiden Exemplare Der Flucht Rocheforts, die Manet ab Dezember 1880 malte. Das andere Bild befindet sich im Kunsthaus von Zürich.
Rochefort, der ein heftiger Gegner des imperialistischen Regimes war, hatte 1868 das Pamphlet La Lanterne gegründet. Die Zeitung wird kurz darauf verboten und in Brüssel aufgelegt. 1873 wird der Journalist auf Grund der Rolle, die er während der Pariser Kommune spielte, zu Zwangsarbeit verurteilt. Seine aufsehenerregende und abenteuerliche Flucht über das Meer inspiriert Manet 1880, sechs Jahre später, zu diesem befremdlichen Bild. Der Künstler wartete den Sieg der Republikaner im Senat und der Abgeordnetenkammer im Januar 1879 sowie die Wahl zum Amnistiegesetz der Anhänger der Pariser Kommune im Juli 1880, die die Rückkehr des Entflohenen nach Frankreich möglich machte, ab, bevor er das Gemälde in Angriff nahm. Sein Bild ist für den Salon 1881 bestimmt.

Manet gedachte mit diesem Gemälde einem Ereignis, das noch in der Erinnerung der Menschen lebendig war, und erneuerte die Historienmalerei, die eigentlich nur antiken oder mythologischen Darstellungen vorbehalten ist. Der Held, der mit seinen blonden zerzausten Haaren kaum wiederzuerkennen ist, ist hier in einem winzigen auf den Wellen treibenden Boot zu sehen. Neben ihm befinden sich seine Komplizen Pain, Grousset und Jourde. Die Einsamkeit und Gefahr wird durch die Größe des Kahns greifbar gemacht. Das elektrisierende, phosphoreszierende Meer wurde durch kleine kraftvolle Pinselstriche wiedergegeben und nimmt die gesamte Leinwand ein. Es „reicht bis zum oberen Rand“, wo man das Boot erkennen kann, das die Flüchtigen aufnehmen wird.

Die Darstellung dieses sechs Jahre alten Ereignisses, an dem Manet nicht teilgenommen hat, ist absichtlich ungenau. Die Unendlichkeit des Meeres jedoch verweist klar auf die Gefahr und die dramatische Situation. Mit dem Gemälde gibt er paradoxerweise auch seiner Desillusion Rocheforts gegenüber Ausdruck, der seine republikanischen Hoffnungen enttäuscht hat.

Manet-Dossier




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