Vincent van Gogh
Die Italienerin

Die Italienerin
Vincent van Gogh (1853-1890)
Die Italienerin
1887
Öl auf Leinwand
H. 81; B. 60 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

L'Italienne [ Die Italienerin]


Diese Frau ist zweifellos Agostina Segatori (1843-1910), ein ehemaliges Modell von Corot, Gérôme und Manet. Van Gogh scheint ein paar Monate vor der Anfertigung dieses Porträts eine kurze Liebesbeziehung mit ihr gehabt zu haben.
Während eines Aufenthaltes in Paris zwischen März 1886 und Februar 1888 macht er sich mit den wissenschaftlichen Farbtheorien der Neo-Impressionisten vertraut. Außerdem ist er ein Liebhaber japanischer Stiche und liefert hier eine ganz persönliche Synthese beider Stile.

Mehrere Elemente erinnern an japanische Stiche: die asymmetrische Umrandung, die Stilisierung des Modells in einem Porträt ohne Schatten und Perspektive und der einfarbige Hintergrund. Die raffinierte orientalische Ästhetik ersetzt Van Gogh allerdings durch eine energische Ausarbeitung, die einen fast primitiven Eindruck erweckt.
Die Neo-Impressionisten arbeiten mit Komplementärfarben, um deren Wirkung zu verstärken. Das tut Van Gogh hier auch. Er assoziiert Rot- und Grüntöne, Blau und Orange, aber er ist nirgends pointillistisch wie Seurat oder Signac. Sein Modell wird mit nervösen Schraffierungen dargestellt. Sie greifen ineinander oder überschneiden sich. Die Farben sind heftig, ausdrucksstark und zeigen Van Gogh als Vorläufer des Fauvismus.
Das Gesicht von Agostina Segatori, in dem Rot- und Grüntöne dominieren, illustriert die ein Jahr später in Arles formulierte Devise: „fähig sein, die schrecklichen Leidenschaften der Menschheit mit rot und grün auszudrücken“.




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