Paul Ranson
Lustration

Lustration
Paul Ranson (1861-1909)
Lustration
1891
Tempera auf Leinwand
H. 35,5; B. 24,3 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) /Gérard Blot

Lustral [Lustration]


Paul Ranson, ein Mitglied der Nabisgruppe, hatte einen originellen Stil entwickelt, in dem Symbolismus und Esoterik anklangen. 1891 realisiert er zwei Versionen von Lustration, darunter auch diese, die seinem Freund Maurice Denis gehörte.

Abgesehen von seinem rätselhaften Titel gehört dieses Werk in die Gattung der Genrebilder. Man sieht eine nackte weibliche Figur bei der Toilette. Auf einem Teppich zu ihren Füßen liegen ein Schwamm und eine Seife, daneben steht ein verzierter Wasserkrug aus Keramik. Zahlreiche Details verleihen der Szene eine symbolhafte Bedeutung; der sich gleich einer Schlange über der Badenden windende Stoff, der Brunnen mit dem Schwanenhals und dem muschelförmigen Becken oder auch die aufgebrochene Knospe an der Wand laden zu einer erotischeren Auslegung ein. Schon aus dem Titel geht hervor, dass sich die junge Frau rituellen Waschungen widmet. Über die Esoterik hinausgehend verweist der Begriff Lustration auf die mittelalterliche Mystik: Das Wasser der Lustration reinigt die Seelen und vertreibt die Dämonen. Es wird noch heute für die Taufe verwendet.

Ranson macht uns quasi zum heimlichen Betrachter der Reinigungsszene. Die Farbskala besteht nur aus Grün- und Blautönen, die auf die nächtliche Tageszeit verweisen. Der orange-braune Körper der jungen Frau hebt sich stark von diesem dunklen Grund ab. Die Arabesken und floralen Motive zeugen von der Vorliebe des Malers für dekorative Kunst. Die gewollt flachen Formen und die vereinfachte Farbbehandlung erklären den Spitznamen, den der Maler erhielt „Le nabi plus japonard que le nabi japonard“. Ranson wird hier mit Bonnard, dem eigentlichen Vertreter des Japonismus verglichen.




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