Emile Bernard
Madeleine im Bois d'Amour

Madeleine im Bois d'Amour
Emile Bernard (1868-1941)
Madeleine im Bois d'Amour
1888
Öl auf Leinwand
H.138 cm; B. 163 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / DR

Madeleine au Bois d'Amour [Madeleine im Bois d'Amour]


Emile Bernard malt dieses lebensgroße Porträt seiner 17-jährigen Schwester Madeleine im Alter von nur 20 Jahren. Er zeigt sie liegend im Bois d’Amour, einem am Rande des bretonischen Dorfs Pont Aven gelegenen Waldes, der durch das Gemälde Der Talisman von Sérusier berühmt wurde.

Der Körper des Mädchens erstreckt sich über die gesamte Breite des Bildes, er gliedert den Aufbau in zwei Teile: eine Landschaft, die anhand von Studien vor Ort im Atelier realisiert wurde, nimmt zwei Drittel der Leinwand ein und das liegende Mädchen, das gleichfalls im Atelier entstand. Trotz der bewussten Parallele zwischen der Stellung Madeleines und dem hinter den Bäumen fließenden Fluss Aven bilden die beiden Teile keine Einheit. Licht, Pinselstrich, Farben sind verschieden. Diese Ungeschicklichkeit des jungen, hochbegabten Malers fällt indes aufgrund des symbolträchtigen Charakters des Gemäldes kaum auf. Der Künstler schuf keine realistische Szene, sondern ein allegorisches Porträt der jungen Madeleine, in die Gauguin verliebt war. Sie scheint in Träumereien versunken den göttlichen Stimmen der Natur zu lauschen.

Emile Bernard und seine Schwester stehen dem Begründer der neuen „impressionistischen und synthetischen“ Schule, der für mehrere Monate nach Pont Aven gekommen war, sehr nahe. Um sich vom naturalistischen Ansatz der 1870er Impressionisten zu lösen, empfiehlt er eine flächige Maltechnik, die dem Realismus eine Absage erteilt. Details, Volumina und Perspektive weichen einem Gesamtbild, das im Stil der japanischen Grafiken in Ebenen unterteilt ist.




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