Pierre Auguste Renoir
Mädchen am Klavier

Mädchen am Klavier
Pierre Auguste Renoir (1841-1919)
Mädchen am Klavier
1892
Öl auf Leinwand
H. 116; B. 90 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Jeunes filles au piano [Mädchen am Klavier]


Anfang 1890 entrüsten sich die Freunde und Bewunderer Renoirs darüber, dass der französische Staat noch kein einziges Werk des fast fünfzigjährigen Malers erworben hat. 1892 bemühen sich Stéphane Mallarmé, der den Künstler kennt und schätzt, und Roger Marx, ein junges Mitglied der Verwaltung der Beaux-arts, der neuen Strömungen gegenüber aufgeschlossen ist, darum, den Impressionisten Zugang zu den staatlichen Museen zu verschaffen. Im Anschluss an einen inoffiziellen Auftrag der Verwaltung wird Mädchen am Klavier erworben und dem Musée du Luxembourg übergeben.

Neben diesem Gemälde, dessen Figuren sich durch die feste und weiche Linienführung und eine ganz besonders feine Palette auszeichnen, gibt es noch drei weitere Versionen desselben Motivs (die eine befindet sich im Metropolitan Museum von New York und die beiden anderen in Privatsammlungen). Es existiert auch eine Ölstudie (Paris, Musée de l'Orangerie) und ein Pastell gleicher Dimension (Privatsammlung).
Die wiederholte Behandlung dieses Motivs zeigt Renoirs Interesse für ein Sujet, mit dem er sich schon beschäftigt hat. Es ist bekannt, dass der Maler nie zufrieden war und seine Werke immer wieder überarbeitete, doch eine so eingehende Beschäftigung mit einem einzigen Gemälde ist einzigartig. Vermutlich wollte er, dass nur ein wirklich vollendetes Werk in die Sammlungen des Museums eingeht. Man wird aber auch an die „Serien” erinnert, die sein Freund Claude Monet zur gleichen Zeit ausführt (Heuschober, 1891; Kathedralen von Rouen, 1892).

In Anlehnung an ein klassisches Thema, das vor allem in der französischen Malerei des 18. Jahrhunderts – insbesondere Fragonard - sehr beliebt war, geht es Renoir darum, anmutige Mädchen in einer idealen Welt darzustellen. Doch er will keine Imitation erstellen, sondern veranschaulicht als Maler seiner Epoche die gedämpfte Atmosphäre eines eleganten, bourgeoisen Interieurs.




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