Félix Vallotton
Misia an ihrem Toilettentisch

Misia an ihrem Toilettentisch
Félix Vallotton (1865-1925)
Misia an ihrem Toilettentisch
1898
Tempera auf Karton
H. 36; B. 29 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Misia à sa coiffeuse [Misia an ihrem Toilettentisch]


Misia an ihrem Toilettentisch dokumentiert die engen Beziehungen Felix Vallottons mit der Gruppe der Nabis und gehört zu den vollendetsten seiner Werke. Das Modell, Misia Godebska (1872-1950), war die Gemahlin des Pariser Herausgebers Thadée Natanson. Dieser hat 1891 mit seinen Brüdern Alfred und Alexandre die Revue Blanche gegründet, bei welcher Bonnard, Vuillard und Vallotton häufig mitgearbeitet haben. Misia hat mit ihrem Mann im Pariser Künstlermilieu eine bedeutende Rolle gespielt. Sie war Muse und Förderin einiger Maler – Bonnard, Vuillard und Toulouse-Lautrec haben sie gemalt, sowie einiger Schriftsteller und Komponisten.

Vallotton war von der schillernden und energischen Persönlichkeit Misias fasziniert und porträtierte sie mehrmals. Dieses Porträt entstand sicherlich während seines Aufenthalts im Sommer 1898 im Landhaus des Ehepaares in Villeneuve-sur-Yonne. Misia wird hier in einer sehr privaten Umgebung, vor ihrem Toilettentisch, dargestellt. Ihre imposante Figur dominiert die Komposition und die runden Linien ihres Körpers und ihres Kleides stehen im Kontrast zu den geraden Linien, die das Bild durchqueren. Die indirekte Beleuchtung, die von einer unsichtbaren Quelle herrührt, schafft ein kontrastreiches Wechselspiel zwischen Licht und Schatten, und trägt auch dazu bei, die Originalität des Blickwinkels und der Farbwahl zu unterstreichen.

Diese Komposition, bei der alle Details bis hin zum eingerahmten Kupferstich Vallottons an der Wand genau durchdacht sind, ist nicht nur eines der gelungensten intimistischen Porträts des Malers, es ist auch, durch das Modell, ein Zeugnis seiner Zeit.




Zeichensatz vergrössern Den Zeichensatz verkleinern Einem Freund schicken Drucken
Facebook
Google+DailymotionYouTubeTwitter