Edgar Degas
Porträt an der Börse

Porträts an der Börse
Edgar Degas (1834-1917)
Porträts an der Börse
Zwischen 1878 und 1879
Öl auf Leinwand
H. 100; B. 82 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Portraits à la Bourse [Porträt an der Börse]


In seinem 1876 erschienen Manifest Die neue Malerei schreibt der Kunstkritiker Edmond Duranty, dass das Porträt „die seelische Verfassung in der Physiognomie und in der Kleidung widerspiegeln muss, die Vertrautheit des Menschen mit seiner Wohnung und die charakteristischen Merkmale, die er durch seinen Beruf erhält, wiedergeben muss... ”. Durantys Auffassung von der Porträtkunst war großteils schon durch Degas' Gemälde geprägt worden. Einige Jahre später liefert uns der Maler mit diesem Bild erneut ein Beispiel dafür. Was man auf den ersten Blick für eine Szene aus dem Pariser Leben halten könnte, ist in erster Linie ein Porträt: Das des Bankiers Ernest May (1845-1925), der Degas' Werke sammelte.

Dem scheinbar chaotischen doch sehr beizeichnenden Bild liegt ein solider, ausgeklügelter Aufbau zugrunde. Der Maler beobachtet sein Sujet aus einer gewissen Entfernung. Als Sohn eines Bankiers, der bankrott gemacht hatte, war Degas mit den Finanzkreisen vertraut, lehnte es jedoch ab, in diesem Milieu zu verkehren.
May beherrscht die Szene. Die Figuren um ihn herum, geben eine Vorstellung des regen Treibens an der Börse. Der Künstler zeigt jedoch ihre Gesichter nicht oder nur verschwommen, um die Aufmerksamkeit auf das Modell zu lenken. Mays längliches Gesicht ist sehr bleich, er wirkt wesentlich älter als vierunddreißig. Seine vornehmen Gesichtszüge könnten einem Gemälde von Greco, den Degas bewunderte, entnommen sein. Die grotesk anmutenden Figuren im Hintergrund links spiegeln die Einstellung des Künstlers gegenüber der Börse und der Finanzwelt wider. Abgesehen von seinem Modell vermittelt Degas einen Eindruck von den Regeln und Bräuchen einer für seine Epoche repräsentativen Gesellschaftsgruppe.




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