Paul Gauguin
Porträt des Künstlers

Porträt des Künstlers
Paul Gauguin (1848-1903)
Porträt des Künstlers
1893-1894
Öl auf doppelseitiger Leinwand
H. 46; B. 38 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski


Porträt von William Molard

Portrait de l'artiste [Porträt des Künstlers]


Gauguin kehrt am 1. September 1893 von seinem ersten polynesischen Aufenthalt nach Paris zurück und beschließt, sein tahitianisches Werk bekannt zu machen und die Öffentlichkeit von der Richtigkeit seiner Malerei „von Wilden” zu überzeugen. Seine Bemühungen scheitern: im November will er dem Musée du Luxembourg ein Gemälde geben (Gegrüßet seist du Maria, New York, Metropolitan Museum of Art), es wird jedoch abgelehnt. Eine Ausstellung, auf der er seine größten tahitianischen Meisterwerke präsentiert, erweist sich großteils als Niederlage. Nur einige wenige Maler oder Kritiker wie Degas, Jarry und Natanson unterstützen ihn, die meisten Künstler halten sich von ihm fern.

Dieses Selbstporträt scheint eine Antwort auf diese Zurückweisung, eine erneute Bekräftigung seiner Aufsässigkeit. Hinter ihm sieht man - seitenverkehrt – Gauguins berühmtes Manau Tupapaù>/span> [Der Geist der Toten wacht] (Buffalo, Allbright-Knox Art Gallery), bei dem es sich seiner Ansicht nach, um das wichtigste und bedeutsamste Werk seines Aufenthalts im Pazifik handelt. Er stellt sich in seinem neuen, exotisch dekorierten Atelier in Gelb und Olivgrün dar. Der gelbe und blaue Pareo rechts lässt erkennen, dass er es mit allen möglichen exotischen Dingen eingerichtet hat. Er will den Eindruck eines scheuen, ursprünglichen Künstlers vermitteln, dessen Urwüchsigkeit durch den einfachen Pinselstrich und die grobe Leinwand verstärkt zur Geltung kommt.
Auf die Rückseite malt Gauguin das geistesabwesende Gesicht seines jungen Freundes William Molard (1862-1936). Der wagnerianische Musiker verkehrt mit der europäischen Künstlerboheme des Montparnasse, von denen sich einige wie beispielsweise Strindberg oder Durio um die Bekanntmachung von Gauguins Werk bemühen werden.
Die beiden Gemäldeseiten illustrieren den Winter 1893/94, den der Maler in Paris verbrachte. Dieser kurze Zeitabschnitt wird maßgeblich zur Einführung der primitiven Kunst innerhalb der kosmopolitischen europäischen Avantgarde um die Jahrhundertwende beitragen.




Zeichensatz vergrössern Den Zeichensatz verkleinern Einem Freund schicken Drucken
Facebook
Google+DailymotionYouTubeTwitter