Fernand Khnopff
Porträt von Marie Monnom

Porträt von Marie Monnom
Fernand Khnopff (1858-1921)
Porträt von Marie Monnom
1887
Öl auf Leinwand
H. 49,5; B. 50 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Portrait de Marie Monnom [Porträt von Marie Monnom]


Fernand Khnopff realisiert dieses Porträt von Marie Monnom, der Tochter eines Brüssler Verlegers 1887. Dieser veröffentlicht die Zeitschrift L'Art moderne, das Presseorgan der belgischen Avantgarde, aber auch die Monografie, die Emile Verhaeren im selben Jahr über den Maler geschrieben hat. Erstmalig realisiert der Künstler, der bisher ausschließlich Kinder und seine Mutter, eine Frau mittleren Alters, dargestellt hat, das Porträt einer jungen Frau. Am 16. September 1889 wird Marie Monnom den Maler Theo Van Rysselberghe, einen engen Freund Khnopffs, heiraten.

Diese Komposition mit dem von der Seite im Sessel sitzenden, im Maleratelier dargestellten Modell, erinnert an das berühmte Porträt, das James Whisler im Sommer 1871 von seiner Mutter gemalt hat (ebenfalls im Musée d'Orsay). In diesem Porträt lassen sich viele Elemente beobachten, die in einigen, von Khnopff gemalten Frauenporträts wiederzufinden sind: Der goldene Kreis oben links auf der Wand, die Handschuhe von Marie, die „Bildeinstellung“, die dem Modell die Füße abschneidet und es so zur Unbeweglichkeit zwingt. Das Bild lässt nichts von der Persönlichkeit des Modells durchscheinen. Es schaut den Betrachter nicht an und das Gesicht, obwohl es im Licht dargestellt ist, bleibt ausdruckslos. Die Gemütstiefe, in der sich die junge Frau befindet, wird formal durch das senkrechte Linienspiel an Wand, Gardine und Tür verstärkt. Dadurch wird ebenfalls die steife Körperhaltung betont. Diese Innerlichkeit wird auch durch die goldene Scheibe suggeriert, deren Form nicht nur die Unendlichkeit und die Perfektion, sondern auch den Ort symbolisiert, an dem der Mensch in sich selbst geht, um einen gewissen inneren Frieden zu finden




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