James Tissot
Porträt von Mademoiselle L. L.

Porträt von Mademoiselle L. L.
James Tissot (1836-1902)
Porträt von Mademoiselle L. L.
1864
Öl auf Leinwand
H. 124; B. 99,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Portrait de Mademoiselle L.L. [Porträt von Mademoiselle L. L.]


Ab 1859 stellt James Tissot mit einem gewissen Erfolg im Pariser Salon Werke aus, deren Inspirationsquelle Geschichte und Literatur des Mittelalters sind. Er erhält 1861 eine offizielle Anerkennung durch den Staat, welcher das Werk Begegnung zwischen Faust und Gretchen, ein anderes Gemälde, das ebenfalls zur Sammlung des Musée d'Orsay zählt erwirbt. 1864 verlässt Tissot jedoch diesen mittelalterlichen Themenkreis um, - wie Théophile Gautier es in seinem Ausstellungskommentar ausdrückt - „in unser Jahrhundert einzutreten“. 1864 stellt er zwei Porträts aus: Die zwei Schwestern, das ebenfalls zur Sammlung des Musée d'Orsay zählt und Das Porträt der Mlle L.L., wobei die Identität des Modells bis heute unbekannt geblieben ist.

Der große Erfolg dieses Gemäldes beruht auf der originellen, ein wenig rätselhaften Komposition (worauf sitzt denn die junge Frau, die wohl sehr freizügig sein muss, dass sie es wagen kann, sich auf diese Weise darstellen zu lassen?) aber auch auf der erstaunlichen Harmonie zwischen den Farben der Jacke, das kräftige Rot der Zuavenuniform, und dem blassen Grün des Hintergrundes. Heute wird in dieser Pose der Einfluss von Ingres erkannt, vor allem was den rechten Arm betrifft, der locker auf den schwarzen Satinrock fällt oder auch das Spiegelbild, das an das Porträt der Madame de Senonnes oder an das der Madame Moitessier erinnert. Die zeitgenössischen Kritiker sahen eine Verwandtschaft zu Manet und Degas, mit denen der Maler eng befreundet war. So schrieb etwa Jules Castagnary, ein eifriger Verteidiger des Realismus, im Grand Journal vom 12. Juni 1864: „Der fanatisch primitive Herr Tissot der letzten Salons hat plötzlichen seinen Stil geändert und scheint sich Herrn Courbet nähern zu wollen; eine gute Note für Herrn Tissot“.




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