Othon Friesz
Bildnis von Karin

Bildnis von Karin
Othon Friesz (1879-1949)
Bildnis von Karin
1939
Öl auf Leinwand
H. 53; B. 46 cm
© ADAGP – RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Portrait de Karin [Bildnis von Karin]


Karin (1927-2005), das Modell für dieses Bildnis, ist die älteste Tochter des berühmten Kunsthändlers und Sammlers Max Kaganovitch (1891-1978). 1939 beauftragt letzterer Friesz, einen anerkannten Künstler, seine beiden Töchter zu porträtieren. Das Werk des Malers ist damals auf zahlreichen Ausstellungen zu sehen, ist bei Sammlern sehr gefragt, und wird von Museen aus aller Welt erworben...
Das Porträt von Karin illustriert den Ansatz, den der Künstler ab 1920 entwickelt, „die Malerei wieder ihrem Verwendungszweck entsprechend auszuführen”. Er widmet sich insbesondere dem Gesicht und dem entschlossenen Blick des Kindes. Durch den engen Bildausschnitt ist das Modell sehr präsent. Diese Darstellungsweise erinnert an Velázquez' Porträts der Infantinnen, der Hintergrund dagegen weist Ähnlichkeit mit den Faltenwürfen und Inszenierungen des Barock auf. Es steht somit in der Tradition des königlichen oder aristokratischen Porträts.
Die frontale, pyramidenförmige Komposition zeichnet sich durch große Klarheit aus, sie verleiht diesem Porträt seine Monumentalität. Auch die Faktur verstärkt den Eindruck von Stabilität: breite, dicke Pinselstriche, oftmals in Schwarz. Der Aufbau entbehrt indes nicht jeglicher Bewegung. Das Mädchen ist zwar regungslos, doch durch die leichte Dezentrierung nach links, die kräftigen Pinselstriche der Falten des Kleids entsteht der Eindruck von Bewegung.
Das Porträt gehört eigentlich nicht zu der Periode, die von Sammlungen des Musée d'Orsay abgedeckt wird (1848-1914). Doch das Porträt von Karin gehört zweifellos neben das von Cuno Amiet geschaffene Bildnis ihrer Eltern, die den staatlichen Museen zahlreiche Schenkungen zukommen ließen.




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