Wilhelm Hammershøi
Ruhe

Hvile oder Rast
Vilhelm Hammershoi (1864-1916)
Hvile oder Rast
1905
Hvile oder Rast
H. 49,5; B. 46,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / DR

Hvile [Ruhe]


Ist er ein Nachkomme von Vermeer oder ein Vorläufer von Hopper? Der dänische Maler Hammershøi, der sich in den 1880er Jahren durchsetzt, ist zweifelsohne weder der eine noch der andere. Seine minimalistischen Interieurs sowie die schummerige Atmosphäre, die von seinem scheinbaren Rigorismus ausgeht, legen beredtes Zeugnis davon ab.

Hammershøi kann als der Erfinder des Rückenporträts gelten, ebenso wie es ein En-face- und ein Profilbildnis gibt. Diese sitzende Frau – man kann weder erkennen, ob es sich um ein Dienstmädchen oder um eine Bürgerliche handelt, noch mit welcher Tätigkeit sie beschäftigt ist - zeichnet sich durch ihr Desinteresse dem Beobachter gegenüber aus. Die subtilen Grau- und Brauntöne sind gut auf die schweigende Figur abgestimmt und lassen das Einfühlungsvermögen des Malers für atmosphärische Interieurs spüren.

Der Aufbau ist rechtwinklig: die Linien des Stuhls, der Leiste und des Serviertischchens gliedern diese Verherrlichung der Abwesenheit mit protestantischer Strenge. Dies darf indes nicht zu der vorschnellen Schlussfolgerung führen, dieses Gemälde sei eine Allegorie der Einsamkeit oder des menschlichen Schicksals. Das eigentliche Thema ist vielleicht der Nacken, das in der orientalischen Vorstellung anstößigste Körperteil. Angesichts jener vereinzelten Strähnen, der unter der geöffneten Bluse sichtbaren weißen Haut des Rückens, sowie der blumenförmigen Schale auf dem Möbelstück im Hintergrund ist es unmöglich, nur die puritanische Dimension des Gemäldes sehen zu wollen.




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