Maurice Denis
Porträt von Yvonne Lerolle

Porträt von Yvonne Lerolle in drei Ansichten
Maurice Denis (1870-1943)
Porträt von Yvonne Lerolle in drei Ansichten
1897
Öl auf Leinwand
H. 170; B. 110 cm
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt

Portrait d'Yvonne Lerolle en trois aspects [Porträt von Yvonne Lerolle in drei Ansichten]


Ab 1890 verkehrt Maurice Denis im Haus des Malers, Mäzens und Musikverlegers Henry Lerolle. Er freundet sich mit Yvonne, einer seiner Töchter, an, für die er 1893 ein Exlibris und 1897 dieses dreifache Porträt ausführt, das die Erinnerung an ihre Freundschaft lebendig hält.

Hinter dem ersten Porträt in der Bildmitte sind in einer grünen Landschaft zwei weitere Darstellungen von Yvonne zu sehen. Das dunkle Laubwerk der beiden Bäume rahmt die Figuren. In seinem Tagebuch schildert Denis ausführlich, wie er sein Gemälde geplant hat: „Das Laubwerk soll bei Yvonnes Porträt eine wichtige Rolle spielen; den kleinen Baum ein wenig zurückversetzen, damit er an Bedeutung gewinnt und gleichzeitig Platz für die kleinen Figuren macht. 1. Einen Entwurf anfertigen; 2. Alle Partien oder wesentlichen Bestandteile zeichnen; 3. Den Entwurf mit den Änderungen, den Farbflecken auf die Leinwand übertragen; 4. Mit Kreide, Kohle, dann mit Terpentin und in Lokalfarbe arbeiten; 5. Abschmirgeln und neu bearbeiten. Jeder Arbeitsvorgang muss mit derselben Sorgfalt ausgeführt werden. Der Vorteil dieses Verfahrens ist, dass man nur ein Mal malen muss und dass man jede Partie getrennt ausführen kann”.

Diese dreifache Darstellung knüpft an ein ikonografisches Schema an, das Denis schon für das Dreifaches Porträt von der verlobten Marthe (1892, Saint-Germain-en-Laye, Musée départemental Maurice Denis) verwendet hatte. Während in Letzterem die Technik der Präraffaeliten (Astarté Siriaca, Dante Gabriel Rossetti, 1877, Manchester Art Gallery) anklingt, so ist Das Porträt von Yvonne Lerolle eher den Mädchen am Meeresufer (1879, Musée d'Orsay) von Pierre Puvis de Chavannes verpflichtet. Gustave Kahn schrieb diesbezüglich: „kann man in diesen drei einander ähnlichen Frauen in unterschiedlichen Haltungen nicht drei verschiedene Erscheinungsbilder derselben Frau sehen…dieselbe Frau zu drei verschiedenen Zeitpunkten, bei drei verschiedenen Handlungen” (La Revue indépendante, Januar 1888).
Maurice Denis setzt gern die Technik der Mise-en-abîme des Bildes ein: Die Steinplatten im Vordergrund bilden einen Bezugsraum; es entsteht der Eindruck, dass die Bilder jenseits dieser Grenze, unterschiedliche Darstellungen von der jungen Frau geben. Denis zeigt mehrere Abschnitte aus dem Leben von Yvonne. Seine Vorliebe, die verschiedenen Phasen des Lebens durch allegorische Darstellungen zu schildern, trat schon in seinem Zyklus Jahreszeiten (1891-1892, an verschiedenen Orten) zutage, der sich aus vier Gemälden zusammensetzt. Er erinnert neben Mallarmé, Maeterlinck und Proust daran, dass die Wahrheit eines Menschen aus der Summe seiner aufeinander folgenden Lebensphasen besteht. Damit erreichte Denis den Höhepunkt der symbolistischen Kunst.




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