Camille Pissarro
Route d'Ennery

Route d'Ennery
Camille Pissarro (1830-1903)
Route d'Ennery
1874
Öl auf Leinwand
H. 55 cm; B. 92 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Route d'Ennery


Die Rue de l'Hermitage in Pontoise, wo die Pissarros bis 1883 wohnten, verband die Ufer der Oise mit der Route d'Ennery. Wie so oft kehrt Pissarro hier der großen Stadt Pontoise den Rücken und taucht in die ländliche Atmosphäre der noch erhaltenen Nachbardörfer ein. Die hier dargestellte Landschaft entbehrt jedoch nicht jeglicher Moderne. Die erhöhte Straße und die kleine Brücke rechts waren gerade instand gesetzt worden. Doch diese Reparaturen gehen in der Landschaft auf, sie stören in keiner Weise die Harmonie und zarte Vertrautheit.
Der horizontale Bildaufbau zieht sich so dahin, dass der Betrachter die Langsamkeit des Fuhrwerks und den gemächlichen Rythmus der aufeinander zugehenden Figuren körperlich spürt. Die Bauernfiguren mit ihren Hauben und langen Kleidern einerseits und den blauen Kitteln und Mützen andererseits weisen darauf hin, dass der Maler Courbet und Millet nie aus den Augen verliert.
Joachim Pissarro hob in den Arbeiten, die er seinem Vorfahren widmete, hervor, dass das Bildfeld meistens von Figuren durchquert wird, die dem ansonsten beständigen Universum Bewegung und Dynamik verleihen. Die Route d'Ennery ist ein beredtes Beispiel für diese Verbindung aus Bewegung und Beständigkeit, ländlicher Kraft und der in stetiger Veränderung begriffenen Natur.
Die Panoramalandschaft mit dem breiten graublauen Himmelsstreifen bestätigt die Analysen von Théodore Duret im Jahr 1878. Schon sehr bald stellt er fest, dass Pissarros Impressionismus jeglicher Vergänglichkeit entbehrt: „seine Naturbeschreibungen zeichnen sich durch ihre Vereinfachung aus, bei der jedoch auch der Aspekt der Beständigkeit zum Ausdruck kommt. […] Pissarros Gemälde vermitteln im höchsten Maße den Eindruck von Weitläufigkeit und Einsamkeit, es geht eine gewisse Melancholie von ihnen aus”.




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