Charles Cottet
Sonnenuntergang

Sonnenuntergang im Hafen von Camaret
Charles Cottet (1865-1925)
Sonnenuntergang im Hafen von Camaret
1892
Öl auf Leinwand
H. 74; B. 110 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Rayons du soir, port de Camaret [Sonnenuntergang im Hafen von Camaret]


Licht und Farbe scheinen zwar die wesentlichen Elemente dieses Gemäldes, doch eigentlich wird das Bild von der Zeichnung beherrscht. Die Unbeständigkeit und Ungewissheit von Wasser und Himmel kontrastieren mit der Linienführung der lichtdurchfluteten Mastspitzen, steinernen Gebäude und Granitküste. Die Segel werden zwar vom Glanz der untergehenden Sonne gestreift, doch der Aufbau des Bildes insgesamt ist monolithisch und starr.
Die impressionistische Auflösung des Bildes wird hier abgelehnt. Cottets Werk wirkt wie das Manifest einer Reaktion. Damals hinterfragten die Nabis, denen auch der Künstler angehörte, die für die Impressionisten charakteristische Darstellung des flüchtigen Eindrucks, der wechselnden Stimmung. Erstere fühlen sich vom Primitivismus und der reinen Farbe angezogen, sie lehnen die abendländische Tradition ab. Letztere greifen auf die klassischen Vorbilder zurück, von denen sie verschiedene Elemente übernehmen.
Für diese Ansicht des Hafens von Camaret verbindet Cottet den klassischen Einfluss mit der für ihn bezeichnenden erstaunlichen Farbgebung, dank derer er in Kürze zum Symbol für eine neue Malerei werden wird. Der Maler wird auf internationalen Ausstellungen mit diesem Bild zu einem der meist geschätzten Vertreter der jungen französischen Malerei.




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