Gustave Courbet
Stürmische See

Stürmische See oder Die Welle
Gustave Courbet (1819-1877)
Stürmische See oder Die Welle
1870
Öl auf Leinwand
H. 117; B. 160,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Stürmische See oder Die Welle


Den Sommer 1869 verbringt Courbet in Etretat, einer kleinen normannischen Stadt, in der sich schon Delacroix, Boudin oder Jongkind mit dem Meer auseinandergesetzt haben. Die Kreidefelsen, die subtilen Schattierungen des Lichts, die Gewalt der Stürme, sowie die Ruhe der Fluten in dieser Gegend mit dem wechselhaften Himmel liefern ihm neue Themen.
Die eindringliche Vision, die der Künstler hier vom stürmisch bewegten, beängstigenden Meer gibt, vermittelt die wilde Kraft der Naturgewalten. Paul Cézanne sagt später, seine Gezeiten seien urzeitlich. Indem er mit dem Spachtel die Farbe dick aufträgt, gelingt es Courbet, den Eindruck von Ewigkeit zu erwecken. Das Bild besteht aus drei horizontalen Ebenen: dem Strand, auf dem zwei Kähne liegen, dem in dunkelgrünen Tönen gehaltenen, vom Weiß der Gischt aufgehellten Wasser und dem wolkenbedeckten Himmel.
Am 28. September 1886 berichtet Guy de Maupassant in Gil Blas folgendermaßen von dem Besuch, den er Courbet anlässlich eines Aufenhalts in Etretat abstattete: „In einem großen leeren Zimmer spachtelte ein dicker, schmieriger Mann mit einem Küchenmesser weiße Farbe auf eine nackte Leinwand. Von Zeit zu Zeit drückte er sein Gesicht an die Fensterscheibe und schaute in den Sturm. Das Meer war so nah, dass es an das in Schaum und Lärm eingehüllte Haus zu branden schien. Das Salzwasser schlug wie Hagel an die Scheiben und rann an den Wänden hinab. Auf dem Kaminsims stand ein Flasche Apfelwein neben einem halbvollen Glas. Ab und zu trank Courbet ein paar Schlucke und wandte sich dann wieder seinem Werk zu. Dieses Werk wurde Die Welle und erregte in der Welt noch einiges Aufsehen.“

Courbet-Dossier




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