Emile Bernard
Symbolisches Selbstbildnis

Symbolisches Selbstbildnis
Emile Bernard (1868-1941)
Symbolisches Selbstbildnis
1891
Öl auf Leinwand
H. 81 ; B. 60,5 cm
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt

Autoportrait symbolique [Symbolisches Selbstbildnis]


Emile Bernard fertigte von 1886 bis 1941 fast jedes Jahr ein Selbstbildnis an. Dies gibt ihm die Gelegenheit, seiner stilistischen Entwicklung und seiner seelischen Verfassung Ausdruck zu verleihen. Das Symbolische Selbstbildnis von 1891 ist in dieser Hinsicht ganz besonders aufschlussreich für die Lage, in der sich Bernard zu diesem Zeitpunkt befindet und die neue Richtung, die er seiner Kunst gibt.
Der Künstler ist damals sehr einsam und reflektiert sein Leben. Sein Freund Van Gogh ist vor kurzem gestorben und er hat mit Paul Gauguin gebrochen, ohne dass seine Rolle innerhalb der Schule von Pont-Aven anerkannt worden wäre. Auch persönlich befindet er sich in einer Krise, so wendet sich Bernard, von Selbstzweifeln geplagt, einer mystischen, religiösen Kunst zu, die in diesem erstaunlichen, doppeldeutigen Gemälde klar zum Ausdruck kommt.

Im Vordergrund sieht man Bernard, wie er sich immer darstellt: Mit breiter Stirn, Schnurrbart und Spitzbart. Sein hinterfragender Blick und die düsteren Töne zeugen von seiner Besorgnis und seinen Zweifeln.
Die Büste des Malers hebt sich von einem traumhaft anmutenden roten Hintergrund ab, der von einer Christusfigur beherrscht wird und von Badenden bevölkert wird. Jene stammen von den Gemälden der Jahre 1887 bis 1890, sie sind Ausdruck seiner tiefen Bewunderung für Cézanne. Durch dieses Eigenzitat bekennt sich Bernard zu seiner Stellung als Künstler.

Das Symbolische Selbstbildnis, das aus der symbolistischen Vorstellungswelt schöpft und sich durch verschiedene erzählerische Register auszeichnet, stellt einen Wendepunkt in Bernards Karriere dar. Es bereitet Expressionisten wie Edvard Munch und der kühnen Malerei eines André Derain oder Pablo Picasso der Jahre 1905 bis 1908 den Weg.




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