Théodore Chassériau
Tepidarium

Tepidarium, „Saal, in dem sich die Frauen von Pompeji nach dem Bad ausruhten und trockneten"
Théodore Chassériau (1819-1856)
Tepidarium, „Saal, in dem sich die Frauen von Pompeji nach dem Bad ausruhten und trockneten"
1853
Öl auf Leinwand
H. 171; B. 258 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Gérard Blot

Tepidarium [Tepidarium]


Chassériau stellt mit diesem Gemälde eine Szene aus der römischen Antike dar, der Dekor ist dem der Bäder von Venus Genitrix in Pompeji nachempfunden. Der Maler war von diesen Überresten, die er selbst besichtigt hatte, fasziniert und versuchte, eine Bevölkerung wieder lebendig werden zu lassen, deren „schmerzhafte, unvorstellbare Spuren er erfasst hatte“.

Théophile Gautier bezeichnet das Gemälde, das auf dem Salon von 1853 von Erfolg gekrönt wird, als „antikes Fresko, das von den Mauern von Pompeji entwendet wurde“. Das Bild besticht durch seine erotische Atmosphäre, die unbekümmerten Haltungen und Blicke, das enge Nebeneinander der trägen Körper erinnert an einen Harem. Chassériaus Antike ist von orientalischen Düften, romantischer Exotik und sinnlicher Farbigkeit geprägt. Die Vorstellung, dass in der arabischen Welt des 19. Jahrhunderts die Sinnenfreuden der Antike noch präsent sind, ist bei französischen Reisenden sehr verbreitet.

In dem Gemälde treten verschiedene Einflüsse zutage. Der Aufbau in zwei symmetrischen Gruppen in einer sich verjüngenden Perspektive ist Raffael nachempfunden, es sind auch mehrere Parallelen mit dem Werk Poussins erkennbar. Anhand der Bedeutung der Linie, der glatten, perlmuttfarbenen nackten Körper und der meisterlichen Zeichnung spürt man, dass Chassériau ein Schüler von Ingres war. Die schillernden Farben verweisen auf den Einfluss von Delacroix. Dieses Gemälde ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie meisterhaft Chassériau es gelingt, Historienmalerei und Genremalerei, die im Zweiten Kaiserreich sehr beliebt war, miteinander zu verschmelzen, und „Zeichnung und Farbe, zwei gewöhnlich rivalisierende Schulen“, ebenbürtig einzusetzen.




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