Paul Cézanne
Der Kartenspieler

Der Kartenspieler
Paul Cézanne (1839-1906)
Der Kartenspieler
Zwischen 1890 und 1892
Öl auf Leinwand
H. 50,2; B. 46,2 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Le joueur de cartes [Der Kartenspieler]


Anfang 1890 malt Cézanne fünf Gemälde zum Motiv des Kartenspielers. Sie unterscheiden sich durch ihre Größe, die Anzahl an Figuren und den Hintergrund. Dieses Werk gehört zu den zahlreichen Studien, die der Künstler für diese Serie ausführte.
Es zeigt einen Spieler, der in umgekehrter Haltung auch auf den beiden größeren Versionen zu sehen ist (Merion, Barnes Stiftung; New York, The Metropolitan Museum of Art) und auf einem Bild mit zwei Figuren (Privatsammlung), auf dem er wie hier von links im Profil dargestellt ist. Die Figur mit den herabhängenden Schultern ist charakteristisch für Cézanne. Auf Grund ihrer Größe verleiht sie gemeinsam mit den anderen Spielern den definitiven Kompositionen Stabilität. Ihre Gegenwart gibt dem Bild eine gewisse Monumentalität, die auch von Cézannes Porträts ausgeht.

Der einfache Mann wird wie häufig bei dem Maler in tiefer Konzentration und absoluter Ruhe dargestellt. Cézannes Werke zum Thema des Kartenspielers wirken geheimnisvoll, rätselhaft. Es gibt mehrere Hypothesen bezüglich der Reihenfolge, in der sie ausgeführt wurden: der Aufbau der drei kleinen Versionen wirkt sorgfältig durchdacht und lässt darauf schließen, dass sie erst nach den beiden anderen entstanden sind. Letztere sind überladener, scheinen dichter und weniger überlegt. Cézanne bleibt sich selbst treu und geht zusehends zu einer vereinfachten Malerei über. Er lässt Figuren weg, verkleinert das Format, verzichtet auf jegliche anekdotischen Details einer „Genreszene“. Bei dem Kartenspieler handelt es sich ganz eindeutig um eine Studie, die teilweise ahnen lässt, wie Cézanne an ein Thema heranging: er versuchte in mehreren Phasen eine einzelne Figur zu erfassen. Meistens gingen Zeichnungen oder Aquarelle den langsam erarbeiteten Kompositionen vorher, deswegen ist diese Ölstudie von ganz besonderem Interesse.




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