Gustave Doré
Das Rätsel

Das Rätsel
Gustave Doré (1832-1883)
Das Rätsel
1871
Öl auf Leinwand
H. 130; B. 195,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Jean Schormans

L'Enigme [Das Rätsel]


Gustave Doré, der in Straßburg beheimatet war, fühlte sich durch die Niederlage Frankreichs im Krieg gegen Preußen 1870 und den daraus folgenden Verlust von Elsass-Lothringen sehr betroffen. Kurz nach dem Krieg führt er drei monumentale Werke aus, Das Rätsel, Der schwarze Adler von Preußen und Die Verteidigung von Paris, die sich durch ihre graue Farbgebung auszeichnen. Sie werden beim Verkauf, der nach dem Tod des Künstlers 1884 organisiert wird, unter dem Titel Erinnerungen an 1870 präsentiert.

Das Rätsel ist zweifellos das tragischste der drei Gemälde. Auf einem mit Leichen übersäten Hügel kann man die Figur einer Sphinx erkennen. Das mythenhafte Monster besitzt den Körper eines Löwen und den Kopf eines Menschen. In der Ferne steigen Rauchschwaden auf, Paris geht in Flammen auf. Die geflügelte Frau unter dem düsteren Himmel, die die Sphinx anzuflehen scheint, könnte eine Verkörperung Frankreichs sein. Letztere scheint voller Mitgefühl und eher mit der ägyptischen Sphinx, dem Wächter der Unterwelt, verwandt als mit dem Mischwesen, dem Ödipus in der griechischen Mythologie begegnet.

Mit dieser Darstellung des Krieges von 1870 kehrt Doré zu den apokalyptischen Visionen zurück, die seine Illustrationen für Dantes Hölle (1861) auszeichnen. Er zeigt nicht nur eine Niederlage sondern das Ende der Welt. Dem Katalog, der anlässlich des Atelierverkaufs 1885 angelegt worden war, entnehmen wir, dass Doré für dieses Gemälde zwei Verse des Gedichts „A l'arc de Triomphe” („An den Triumphbogen”) (Die inneren Stimmen, 1837) als Inspirationsquelle dienen:
"O spectacle ! Ainsi meurt ce que les peuples font !
Qu'un tel passé pour l'âme est un gouffre profond !"




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