Ernest Meissonier
Die Belagerung von Paris

Die Belagerung von Paris (1870-1871)
Ernest Meissonier (1815-1891)
Die Belagerung von Paris (1870-1871)
Um 1884
Öl auf Leinwand
H. 53,5; B. 70,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Le siège de Paris (1870-1871) [Die Belagerung von Paris (1870-1871)]


Gleich nach Ende des französisch-preußischen Kriegs entsteht Ernest Meissoniers erster Entwurf für das Gemälde, das die Belagerung von Paris symbolisiert. Er wird dieses Werk erst viel später, 1884, vollenden. Das Bild ist eine Mischung aus Realität und Allegorie. Die Figur von Paris - als Modell diente Frau Meissonier, mit schwarzem Schleier und Löwenfell bedeckt vor der zerrissenen Trikolore – ragt über den Ruinen einer Barrikade auf. Darüber schwebt in einem unheilbringenden, bedrohlichen Himmel aus Rauchwolken die gespenstische Figur der Hungersnot über dem brennenden Paris.

Auf der Märtyrerkrone liegen tote und schwer verletzte Soldaten. Meissonier schildert mit der für ihn charakteristischen Wirklichkeitstreue jedes Gesicht, jedes Kleidungsstück. Der im Sterben liegende Maler Henri Regnault, der im Alter von 27 Jahren in der zweiten Schlacht von Buzenval im Januar 1871 gefallen ist, lehnt an der Personifikation von Paris. Er steht stellvertretend für die vielversprechenden jungen Soldaten, die in dem Konflikt getötet wurden.
Trotz der Niederlage kämpfen die unverletzten Soldaten weiter. Links auf dem Bild sieht man, wie sie eine Kanone laden oder zum Angriff blasen. Meissonier erinnert auch mitfühlend an das Leid der Zivilisten: Ein alter Mann sucht unter den Leichen nach seinem Sohn, eine Frau präsentiert ihrem Mann ihr totes Kind, eine andere Frau trauert um ihren toten Gatten...

Die Niederlage wird im Frankreich des ausgehenden 19. Jahrhunderts tiefe Spuren hinterlassen. Durch dieses Trauma wird offensichtlich, weshalb das Thema des Krieges von 1870 im Kunstschaffen und beim Publikum noch viele Jahre gegenwärtig bleiben wird. Wie viele andere Maler, Bildhauer und Schriftsteller zelebriert Meissonier das Opfer und den Heldenmut seiner Landsleute, um mehr oder weniger bewusst ein Nationalgefühl zu verherrlichen und die Vergeltung vorzubereiten.




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