Paul Cézanne
Eine moderne Olympia

Eine moderne Olympia
Paul Cézanne (1839-1906)
Eine moderne Olympia
1873-1874
Öl auf Leinwand
H. 46; B. 55 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Une moderne Olympia [Eine moderne Olympia]


Die Frühwerke Cézannes, die sich durch ihre dunkle Farbpalette auszeichnen, lassen deutlich den Einfluss der alten Meister und der Gemälde Delacroix', Daumiers und Courbets erkennen. Ein Bild aus dem Jahr 1870, das für diese Periode charakteristisch ist, zeigte schon Eine moderne Olympia (Privatsammlung) als Reaktion auf Manets großformatiges Gemälde, das 1865 auf dem Salon einen Skandal verursachte.

Einige Jahre später widmet sich Cézanne erneut diesem Thema. Doch diese zweite Version besticht durch die hellen, leuchtenden Farben und die meisterhafte Ausführung, die an Fragonards Gemälde erinnern. Cézanne hatte sich damals schon dem Impressionismus zugewendet. Der Maler soll dieses farbige Bild im Laufe einer Diskussion mit Docteur Gachet in Auvers-sur-Oise gemalt haben.
Er gibt eine wesentlich kühnere Interpretation von Manets Sujet. Durch den Kontrast zwischen der nackten Frau, die von ihrer schwarzen Dienerin entschleiert wird, und dem eleganten, schwarz gekleideten Mann, der die Szene beobachtet, wirkt das Bild theatralisch-erotisch. Diese Wirkung kommt durch den Vorhang auf der linken Seite verstärkt zum Tragen.

Auf der ersten impressionistischen Ausstellung 1874 wird diese in gewisser Weise verblüffende Darstellung von Publikum und Kritikern mit Spott aufgenommen. Marc de Montifaud schreibt am 1. Mai 1874 in der Zeitschrift L'artiste: „dieses sinnenfreudige Bild, das eine Art künstliches Paradies schildert, verschlug selbst den Kühnsten den Atem... und Herr Cézanne erscheint nur noch wie ein Irrer, der im Zustand der Erregung eine Delirium-Tremens-Vision malte”.




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