Berthe Morisot
Junge Frau im Ballkleid

Junge Frau im Ballkleid
Berthe Morisot (1841-1895)
Junge Frau im Ballkleid
1879
Öl auf Leinwand
H. 71; B. 54 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Jeune femme en toilette de bal [Junge Frau im Ballkleid]


Die meisterhafte, freie Darstellung dieser unbekannten jungen Frau im Abendkleid kontrastiert mit den mondänen oder offiziellen Porträts der Maler, die im Salon ausstellten. Das Werk ist zwischen dem Impressionismus und der Kunst Manets, dem Schwager von Berthe Morisot, einzuordnen. Trotz der Modernität ihres Stils, hat die Kritik Morisot stets gelobt. Im Anschluss an die fünfte impressionistische Ausstellung im Jahre 1880, auf der sie fünfzehn Bilder – zu denen auch das vorliegende Werk gehört – ausstellt, verfasst Charles Ephrussi in der Gazette des Beaux-Arts folgende poetische Beschreibung und liebevolle Analyse: „Madame Berthe Morisot ist Französin aufgrund ihrer vornehmen, eleganten, heiteren und unbeschwerten Art. Sie hat eine Vorliebe für erheiternde und rührende Malerei. Sie zerreibt Blütenblätter auf der Palette, um sie dann mit leichten, geschickten, flüchtigen Strichen auf der Leinwand zu verteilen. Die Elemente verbinden sich harmonisch und erzeugen schließlich eine subtile, lebendige und reizvolle Atmosphäre.“ Diese Betrachtungen – so allgemein sie auch sein mögen – sind sehr zutreffend in Bezug auf das Gemälde. Die Pflanzenwelt, in das Modell versunken scheint, harmoniert in Form und Stil mit dem üppig dekorierten Dekolletee.

Da Berthe Morisot auch in Künstlerkreisen große Anerkennung genoss, verkaufte sie die Junge Frau im Ballkleid sehr schnell an den aus Italien stammenden Maler Giuseppe de Nittis (1846-1884), der bei der ersten impressionistischen Ausstellung vertreten war. Das Gemälde gehörte anschließend dem Kunstkritiker Théodore Duret (1838-1927), der – auf Drängen des Schriftstellers und Dichters Stéphane Mallarmé (1842-1898) – das Bild 1894 an den Staat verkauft.




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