Armand Rassenfosse
Der Feind

Der Feind, Illustration für das Gedicht von Charles Baudelaire
Armand Rassenfosse (1862-1934)
Der Feind, Illustration für das Gedicht von Charles Baudelaire
Um 1899
Tusche, Bleistift, Pastell und Höhungen mit Aquarell auf Vergé Papier
H. 11,5; B. 17 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Michèle Bellot

L'Ennemi [Der Feind], Illustration für das Gedicht von Charles Baudelaire


Diese Zeichnung diente als Studie für eine Druckgrafik, die 1899 in einer Auflage der Blumen des Bösen von Baudelaire (1821-1867) erscheinen sollte. Der Verleger hatte sich zuerst an Edvard Munch gewandt, doch schließlich besann er sich eines anderen und vertraute Rassenfosse die Illustration des Gedichtbands an, da jener sich wie viele andere belgische Symbolisten eingehend mit dem Werk des französischen Schriftstellers beschäftigt hatte. Das 10. Gedicht von „Spleen und Ideal” veranschaulicht er durch diese morbide, qualvolle Szene, die sein Kunstschaffen jener Zeit charakterisiert.

Das Gedicht ist eine Betrachtung über die Zeit, den Tod und die schöpferische Unfähigkeit im Alter, Themen, die wiederholt in Baudelaires Dichtung auftauchen. Der Text präsentiert indes eine Besonderheit: Das Paradigma des Garten Edens, der so unfruchtbar geworden ist, dass er den Blumen einer neuen Poesie keine Nahrung mehr bietet. Rassenfosse lässt diese Metapher außer Acht und widmet sich nur dem letzten Terzett:
O Schmerz O Schmerz ! Die Zeit am Leben zehret –
Der düstre Feind der uns am Herzen schlüft
Und sich mit unsrem Blute stärkt und mehret.
(Übersetzung von Stefan George)

Die makabere und ausdrucksstarke Zeichnung verleiht dem „düsteren Feind” die Form eines Skeletts, das sein Opfer fortreißt in die endgültige Nacht. Dieses morbide Bild erinnert auch an das Werk des belgischen Symbolisten Félicien Rops (1833-1898). Rassenfosses Darstellung ist keine wirkliche Illustration von Baudelaires Gedicht sondern die Allegorie einer verzweifelten menschlichen Existenz. Nichtsdestoweniger geht von seiner Vision eine einzigartige Kraft aus.




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