George Le Brun
Der Flur

Der Flur
George Le Brun (1873-1914)
Der Flur
Um 1909
Kohle, Höhungen mit Pastell auf Papier
H. 62; B 48 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Gérard Blot

Le vestibule [Der Flur]


Während der ersten Hälfte seiner künstlerischen Laufbahn stellt Georges Le Brun mit Vorliebe die nüchternen Interieurs von Bauernhäusern dar. Als Vorbild für die Anordnung und symbolische Bedeutung der Gegenstände dienen ihm die italienischen und flämischen Meister. Nach seinem Umzug in den kleinen Ort Theux in den Ardennen im Jahr 1904 malt er mehrere Bilder von dem Haus, in dem er mit seiner Gattin lebt. Hier inspiriert ihn ein Flur zu einer streng geometrischen Komposition, die durch die Bodenfliesen und die Querbalken an der Tür im Hintergrund verstärkt zum Tragen kommt.

Le Brun war zwar zutiefst vom Symbolismus geprägt, doch er blieb offen für jegliche avantgardistische Bewegung und verfolgte aufmerksam die Veränderungen des Neoimpressionismus. Dieses Interesse spiegelt sich in den dezenten Lichteffekten dieser Kohlezeichnung und vor allem in der synthetischen Darstellung der lesenden weiblichen Figur, die an Seurat erinnert, wider. Der Flur ist ein beredtes Zeugnis für den intimistischen Stil, der die Kunst des Abendlandes um 1900 prägte.




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