Gustave Moreau
Die Erscheinung

Die Erscheinung
Gustave Moreau (1826-1898)
Die Erscheinung
Aquarell
H. 106; B. 72,2 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Jean-Gilles Berizzi

L'Apparition [Die Erscheinung]


Die Erscheinung zeigt Salome, die gemäß der Evangelien den Gatten ihrer Mutter Herodias, den Statthalter Herodes Antipas, durch ihren Tanz derart in Verzücken versetzt, dass sie als Belohnung das Haupt von Johannes des Täufers erhält.

Stellt Moreau auf diesem Aquarell das Ende von Salomes Vorführung dar. In diesem Fall erschiene ihr der Kopf als Bild ihres grauenerregenden Wunsches. Oder handelt es sich um eine Vision nach der Enthauptung, um ein Bild ihrer Schuldgefühle? Huysmans zufolge „war der Mord vollendet“. Salome bleibt eine Femme fatale, auch wenn sie in der langen Beschreibung des Werks in Kapitel V von A rebours (1884) von Entsetzen gepackt wird. Andere Kritiker sind der Ansicht, dass die Einnahme von Opium beim Maler zu derartigen Halluzinationen geführt habe. Diese unbegründete Anschuldigung wird sich viele Jahre lang halten.

Wie üblich greift Moreau für seine Komposition auf vielfältige Motive zurück. Das von einem Heiligenschein umgebene Haupt von Johannes des Täufers erinnert an einen japanischen Holzschnitt, den Moreau 1869 im Industriepalast kopierte. Es lässt auch an den von Perseus präsentierten Kopf der Meduse denken, den Benvenuto Cellini in einer Bronzeskulptur verewigte (Florenz/Loggia dei Lanzi). Für den Dekor des Palastes von Herodes lässt er sich von der Alhambra von Granada inspirieren. Moreau schafft anhand von disparaten Elementen und komplexen technischen Mitteln – Höhungen, Grattage, Einritzungen - ein Traumbild von der Pracht des Orients.

Die Erscheinung wird 1876 auf dem Salon von dem belgischen Händler Léon Gauchez (1825-1907) erworben. Er verleiht sie im folgenden Jahr für die erste Ausstellung der Grosvenor Gallery in London. Gauchez hatte schon 1871 eine Sappho von Moreau in London ausstellen lassen. Es ist folglich nicht verwunderlich, dass Moreau in Kürze in den künstlerischen und literarischen Milieus Europas berühmt wird.




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