Edouard Vuillard
Figur des Schmerzes

Schmerzerfüllte Figur
Edouard Vuillard (1868-1940)
Schmerzerfüllte Figur
1890-1891
Pastell, Kohle auf grauem Chamois Papier
H. 40; B. 17 cm
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt

Figure de douleur [Figur des Schmerzes]


Auf den ersten Blick könnte man versucht sein, in dieser niedergeschlagenen Figur eine Illustration zu Pierre Quillards Theaterstück La fille aux mains coupées, das im März 1891 im Théâtre d'art von Paul Fort aufgeführt wurde, zu sehen. Die verzweifelte Haltung, das Gesicht, das sich dem Blick des Betrachters entzieht, die roten Hände lassen an das Mädchen denken, das die „inzestuöse, brutale Beziehung” mit ihrem Vater erduldet. Doch laut Guy Cogeval „ist es undenkbar, dass Vuillard eine Theaterszene so buchstäblich wiedergegeben haben könnte, umso weniger als das Mädchen in Pierre Quillards Stück nie nackt ist”. Es handelt sich eher um eine Figur des Schmerzes, fern jeglicher literarischen Anspielung.
Wie dem auch sein mag, dieses Werk wirkt beunruhigend und befremdend. Es handelt sich nicht um einen einfachen Akt; auf dieser ungreifbaren Kreatur scheint ein Fluch zu lasten. Es besteht ein ganz dramatischer Kontrast zwischen dieser verzweifelten Figur, die sich vor fremden Blicken schützen will, und den grellen, fast aggressiven Farben (Blau, Grün und Rot), durch die sie verstärkt zur Geltung kommt.
Der vertikale, enge Bildausschnitt im Stil des japanischen Holzschnitts, erhöht die unbehagliche Atmosphäre, denn dadurch werden wir gegen unseren Willen zum Voyeur.




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