Lucien Lévy-Dhurmer
Florenz

Florenz
Lucien Lévy-Dhurmer (1865-1953)
Florenz
Um 1898
Pastell
H. 53; B. 45 cm
© DR-RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Florence [Florenz]


Diese anmutige weibliche Figur verkörpert die Stadt Florenz. Sie hält in der einen Hand eine rote Lilie, das Emblem der italienischen Stadt, und in der anderen das Wappen der Medicis. Im Hintergrund ist eine Ansicht der Stadt zu sehen: links kann man die charakteristische Silhouette des Palazzo della Signoria und rechts die des Duomo und des Campanile erkennen.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde Florenz zum obligatorischen Reiseziel von Pilgern, die auf der Suche nach künstlerischen Eindrücken waren. Diese Begeisterung kann mit der Tradition der „Grand Tour”, jener langen Reise, die im 17. und insbesondere 18. Jahrhundert von den Sprösslingen des gehobenen Bürgertums und Adels der europäischen Gesellschaft unternommen wurde, verglichen werden. Sie steht auch in Bezug zu den italienischen Meistern und den englischen Präraffaeliten. Lévy-Dhurmers Darstellung von Florenz in Form einer jungen Frau, deren Lächeln an das der Mona Lisa erinnert, fügt sich in die ästhetische Strömung des Fin-de-siècle ein, die ganz seiner meisterhaften, ausgeklügelten Kunst entspricht.

Hinter all diesen Referenzen verbirgt sich aber auch ein Porträt: vermutlich das von Thérèse Vitali (1866-1940), die 1888 zur Gräfin Raymond de Beauchamp wurde. Gewiss wählte Lévy-Dhurmer diese Frau auf Grund ihres italienischen Ursprungs als Personifizierung für Florenz, und vielleicht ist das Gemälde auch Ausdruck seiner Verbindung mit dem Anwesen, das sein Vater vor kurzem erworben hatte, der Villa Fiorentina in Cannes.
Der Lorbeerkranz als Symbol der Ewigkeit und vor allem des Todes: im Mai 1897 entkam Thérèse beim Brand des Bazar de la Charité [Wohltätigkeitsbasar], dem mehrere Mitglieder ihrer Familie zum Opfer fielen, nur knapp dem Tod. Die Zypressen im Mittelgrund erinnern an die drohende Gegenwart des Todes. Als Attribut des Apollos symbolisiert der Lorbeerkranz auch die Förderung der Künste. Wie die Medicis wird Thérèse Beauchamp im Laufe ihres Lebens zahlreiche Bauprojekte finanzieren. Lévy-Dhurmer liefert hier ein regelrechtes allegorisches Porträt, das weit über die getreue Darstellung des Modells hinausreicht.




Zeichensatz vergrössern Den Zeichensatz verkleinern Einem Freund schicken Drucken
Facebook
Google+DailymotionYouTubeTwitter