Edouard Manet
Frau bei der Toilette

Frau bei der Toilette
Edouard Manet (1832-1883)
Frau bei der Toilette
1878
Pastell auf Leinwand
H. 54; B. 45 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Jean-Gilles Berizzi


Frau bei der Toilette

Le tub [Frau bei der Toilette]


Dieses Pastell gilt als eines der schönsten des Künstlers zum Thema der Toilette. Es enthält alle Stilmerkmale von Manets Kunst: eine sehr eigene Mischung aus Spontaneität und Frische, präzise Komposition und helle, geschwungene Linien auf einem Untergrund von Horizontalen. Im Hintergrund kann man tatsächlich in den zart kolorierten Streifen den Spiegel, den Toilettentisch und die Cretonne mit Blumenmuster ausmachen.

Die große Metallwanne, die Degas systematisch für seine Toiletteszenen verwendet, nimmt den gesamten unteren Teil des Pastells ein. Während Degas' Modelle scheinbar ohne ihres Wissens beobachtet werden, blickt die Frau auf diesem Bild den Maler ohne Scheu an. Sie ist sich dessen bewusst, dass der Betrachter ihren nackten, unvollkommenen Körper nur unbeteiligt oder gerührt ansieht.  

Nach Manets Tod entsteht Degas' erstaunliche Serie von Frauen bei der Toilette in Draufsicht und komplexeren Haltungen. Doch Degas war derjenige, der ab 1877 als erster weniger harmlose Szenen von Frauen bei der Toilette in Freudenhäusern ausführte. Heutzutage kann man nur schwer feststellen, wer von den beiden den größeren Einfluss auf den anderen ausübte. Bei Manet fehlt der für Degas typische Sarkasmus. Diese Frau bei der Toilette kündet die lieblichen Badeszenen von Bonnard an.

Manet-Dossier




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