Léon Spilliaert
Mondschein und Lichter

Mondschein und Lichter
Léon Spilliaert (1881-1946)
Mondschein und Lichter
Um 1909
Pastell und Lavierung mit Tinte
H. 64; B. 48,5 cm
© ADAGP - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Clair de Lune et lumières [Mondschein und Lichter]


Diese Stadtlandschaft entstand im Rahmen einer Gemäldeserie aus den Jahren 1909/10, die Spilliaert in Ostende, einem Seebad an der Nordsee, wo er fast sein ganzes Leben verbrachte, ausführte. Den Mittelpunkt seiner Komposition bilden der Säulengang und die Arkaden der Fassade des Kursaals. Die monumentale Silhouette des Kursaals, eines Werks des französischen Architekten Alban Chambon (1847-1928), beherrschte die Deichpromenade. Das Gebäude wurde während des Zweiten Weltkriegs zerstört und durch einen modernen Bau ersetzt.
Spilliaert gibt auf seinem Pastell die fantastisch anmutende Verwandlung des Bauwerks bei Nacht und künstlicher Beleuchtung wieder.

Die kosmische und metaphysische Dimension dieser Zeichnung verweist auf den Einfluss Van Goghs (insbesondere Die Sternennacht 1888-1889, Musée d'Orsay), dessen Werk in symbolistischen Kreisen sehr bekannt war. Spilliaert verleiht der Leere auf seinen Landschaften und Interieurs durch die perspektivische Darstellung und die Wahl des Bildausschnitts eine Dramatik, die die Einsamkeit, Angst und Morbidität der symbolistischen Kunst des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts widerspiegelt.
Die Technik des Künstlers, die auf äußerst sparsamen Mitteln und minimaler Farbgebung beruht – das intensive Weiß der Lichter entsteht durch Aussparungen, die mit einem kaum wahrnehmbaren blauen und roten Pastellstrich umrandet sind –, zeugt von der Meisterschaft, die Spilliaert schon wenige Jahre nach seinen Erstwerken zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlangt hatte.




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